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Modelle & Dioramen
Hasegawa 1/48 Ein Beitrag von Werner Scheibling Vorwort: Meine   Modellbauaktivitäten   scheinen   in   den   1990er   Jahren   ver- haftet zu sein. Nachdem   ich   Tamiyas   48er   Birdcage   Corsair   zu   einem   guten Ende gebracht hatte, kam mir ein ähnlicher Gedanke: Wie   wär‘s   denn   mit   Hasegawas   Hawker   Typhoon?   Da   gibt   es doch   dieses   fantastische   Cockpit-Set   von   BarracudaCast   (“Der Meister”,    Roy    Sutherland,    ehem.    Cooper    Details,    steckt    da- hinter…) Dann    noch    ein    paar    PU-    Schmuckstücke    von    Barracuda, Ultracast    und   Aires    und    es    müsste    ein    ziemlich    gutes    48er- Modell   der   ‚Tiffie‘   machbar   sein.   So   startete   ich   im   Juni   2016. Anfang   August   2018   brachte   ich   schließlich   die   letzte   Schicht Mattlack auf die kleine Piloten-Figur auf.
Das Modell: Dem   Problem   der   viel   zu   flach   geratenen   und   vereinfachten   Hauptfahrwerkschächte   wollte   ich   als   erstes   mit   den   fantastisch   detaillierten Aires-PU-Teilen   zu Leibe   rücken.   Nachdem   ich   mit   der   Schieblehre   Maß   genommen   hatte,   kamen   mir   aber   größte   Zweifel,   ob   diese   PU-Teile   überhaupt   in   die   Tragflächen   der Hasegawa-Typhoon   integrierbar   seien.   Nach   endlosen   Tagen   des   Maßnehmens,   Fräsens   und   Schleifens   konnte   ich   schließlich   aufatmen   –   die   Arbeit   war nicht   umsonst   gewesen   und   die   neuen   Fahrwerksschächte   passten   gerade   mal   eben   so   zwischen   die   beiden Tragflächenhälften. Tatsächlich   war   sowohl   von den   Hasegawa-Flächen,   als   auch   den   Aires-Schächten   in   den   entsprechenden   Bereichen   nicht   viel   mehr   als   ein   papierstarker   Hauch   von   Kunststoff übriggeblieben. Was   die   Aires-Designer   nicht   bedacht   hatten,   war   die   Tatsache,   dass   der   Montagepunkt   für   die   Fahrwerksbeine   nun   ganz   an   die   Tragflächenunterseite gerückt   war,   während   er   zuvor   tiefer   im   Fahrwerkschacht   saß.   Folglich   musste   ich   die   Fahrwerksbeine   an   ihrem   oberen   Ende   gut   zwei   mm   kürzen   und   eine neue,   verlässliche   Verbindung   mittels   1   mm   starken   Metallstiften   schaffen.   Dies   führte   leider   dazu,   dass   die   Fahrwerksbeine   nun   ein   klein   wenig   zu   steil stehen   –   aber   anders   konnte   ich‘s   nicht   meistern.   Man   möge   mir   diesen   aus   der   Verzweiflung   geborenen   Kompromiss   nachsehen!   Wieder   einmal   stellte   ich mir die Frage, ob die Leute bei Aires jemals versucht haben, ihre Produkte tatsächlich in ein Modell einzubauen. Mein Fazit: Nur sehr bedingt zur Nachahmung empfohlen. Anschließend     setzte     ich     die     Bohrungen     für     die     verkleideten, langläufigen   Hispano-20mm   -Kanonen.   Hier   ist   es   ausgesprochen wichtig,   die   Bohrungen   so   eng   wie   möglich   auszuführen,   um   den perfekt    gedrehten    Metallteilen    den    bestmöglichen    Passsitz    zu verschaffen.    Die    Einbauanleitung    von    ‚Master‘    gibt    die    genauen Maße   unmissverständlich   vor.   Die   Verklebung   erfolgte   mit   reichlich Zwei-Komponenten-Epoxidharz. Die   beiden   Räder   des   Hauptfahrwerks   und   das   Spornrad   stammen ebenfalls   aus   dem   Hause   BarracudaCast.   Die   Detaillierung   ist   auch hier atemberaubend.  Um   dem   Fahrwerk   mehr   Standfestigkeit   zu   verleihen,   versah   ich sowohl   Hauptfahrwerk   als   auch   Spornrad   mit   Messingachsen   und   - Buchsen.   Gleichzeitig   konnte   ich   so   auch   gewährleisten,   dass   die Räder   des   Hauptfahrwerks   einen   negativen   Sturz   von   ca.   5   Grad einhalten. Jetzt konnte ich mich schließlich Rumpf und Cockpit zuwenden. Das     Cockpit-Set     von     BarracudaCast     ist     detailgetreu,     extrem realistisch und 100% passgenau. Mehr gibt es fast nicht zu sagen. Ich   habe   lediglich   ein   paar   Verkabelungen,   die   links   neben   dem Pilotensitz montierte Hydraulik-Handpumpe und die beiden rot lackierten Pedale für die Notentriegelung des Hauptfahrwerks hinzugefügt. BarracudaCasts   kleiner,   aber   feiner   Ätzteilsatz   ist   ebenfalls   sehr   gut   gelungen.   Da   hat   selbst   Eduard   Mühe,   mitzuhalten.   Allerdings   ist   das   Messingblech ausgesprochen   dünn   und   weich,   sodass   beim   Umgang   mit   diesen Teilen   höchste   Feinmotorik   gefordert   ist.   Vor   allem   die   Ruderpedale   brachten   mich   fast   an den Rand der Verzweiflung. Aber   –   Ihr   ahnt   es   bereits   –   von   all   diesen   schönen   Details   ist   so   gut   wie   nichts   mehr   zu   sehen,   wenn   erst   die   beiden   Rumpfhälften   verklebt   sind.   Ich   würde allen   Modellbauern,   die   sich   Hasegawas Typhoon   antun   möchten,   außerdem   empfehlen,   die   beiden   Bubbletop-Rumpfeinsätze   nicht   nur   stumpf   einzukleben, sondern die Klebefugen innenliegend mit Polystyrol-Streifen oder Epoxidharz zu verstärken; und zwar reichlich! Die Rumpfschalen sind im Seitenbereich so dünn und flexibel, dass die Klebenähte beim Hantieren mit dem Modell immer wieder aufbrechen. Leider   lässt   sich   beim   Verkleben   der   Rumpfhälften   und   dem   anschließenden   Zusammenfügen   von   Rumpf   und   Tragfläche   der   Einsatz   von   Spachtelmasse und   Schleifpapier   nicht   vermeiden.   Die   größeren   Spalten   im   Bereich   des   Rumpfrückens   und   des   Tragflächen-/   Rumpfanschlusses   habe   ich   zuvor   mit Polystyrolstreifen ausgefüttert, um eine verlässlichere Klebenaht zu schaffen. Viele   zarte   Oberflächengravuren   –   vor   allem   die   Schnellverschlüsse   der   Motorverkleidungsteile   –   hielten   der   Schleifpapierbehandlung   nicht   stand   und mussten   mühselig   nachgearbeitet   werden.   Das   gilt   leider   auch   für   die   beiden   obersten   und   untersten   Verstärkungsplättchen   am   hinteren   Rumpfteil.   Ich   habe diese   vier   Plättchen   aus   dünnem   Polystyrolprofil   nachgefertigt,   verklebt   und   verschliffen.   Die Alternative   wäre,   nicht   zu   spachteln   und   zu   schleifen   und   damit eine hässliche und deutlich sichtbare Klebefuge in Kauf zu nehmen. Die   massive   Vierblatt-Luftschraube   samt   Spinner,   das   vergrößerte   Höhenleitwerk   und   der   Schacht   für   das   Spornrad   stammen   von   Ultracast.   Obwohl   ich   die Produkte   dieser   kanadischen   Firma   sehr   schätze,   war   ich   doch   etwas   enttäuscht. Auch   hier   ist   deutlich   erkennbar,   dass   die   Master-Teile   noch   aus   einer   Zeit stammen,   als   Enthusiasten   zu   Hause   mit   dem   Schnitzmesser   zu   Werke   gingen.   Die   Passform   des   Höhenleitwerks   ist   äußerst   dürftig,   etliche   auffällige Oberflächendetails   sind   gar   nicht   vorhanden   und   die   separaten   Ruder   sind   an   ihrer   Innenkante   tatsächlich   zwei   Millimeter   zu   kurz!   Die   auffälligen   Scharniere fehlen   ganz.   Auch   hier   konnte   ich   nur   mit   reichlich   Epoxidharz,   Sekundenkleber   und   Milliput   White   Zweikomponenten-Spachtel   ein   akzeptables   Ergebnis erzielen. Pingelig, wie ich nun mal bin, habe ich auch noch die beiden klaren Positionsleuchten an den Höhenflossen-Ansätzen hinzugefügt. Die   Propeller-/Spinnerkombination   ist   ebenfalls   sehr   seltsam   konzipiert.   Die   separaten   Propellerblätter   sind   an   ihrem   Fuß   mit   angegossenen   Klötzchen versehen,   die   für   den   richtigen   Sitz   und   damit Anstellwinkel   in   den   Spinneröffnungen   sorgen   sollen.   Ich   hab‘s   probiert   (ohne   Kleber)   und   fand   das   erzielbare Ergebnis   unrealistisch   und   rundum   scheußlich.   Nach   langem   Sinnieren   schliff   ich   schließlich   die   Spinner-Abschlussplatte   ab,   höhlte   den   Spinner   mit   einer Fräse aus und montierte die auf die richtige Länge gebrachten Propellerblätter an eine alte Thunderbolt-Prop-Nabe. Noch kurz eine neue Abschlussplatte gedreht und die Luftschrauben-/Spinnerkombination sah originalgetreu aus. Mein   Fazit:   Wer   das   Glück   und   das   Geld   hat,   noch   an   ein   Exemplar   von   Hasegawas   rarer   Sonderedition   einer Typhoon   mit   Vierblatt-Prop   zu   kommen,   möge schleunigst zugreifen und die Ultracast-Teile vergessen. Ziemlich   zum   Schluss   leistete   ich   mir   noch   einen   dicken   Schnitzer:   Gibt   es   etwas   einfacheres,   als   die   exakt   bemessenen Auspuffleisten   (BarracudaCast)   in die   Vertiefungen   der   Motorhaube   einzukleben?   Offensichtlich   ja,   denn   ich   hatte   wohl   einen   richtig   schlechten   Bastel-Tag   erwischt   und   hab‘s   auf   beiden Seiten versemmelt: Der Sekundenkleber zog zu schnell an, die Stutzen saßen schief und es gab keine Möglichkeit mehr, nachzujustieren. Die Auspuffe mussten raus (und dabei zerstört werden), auch wenn es noch so schmerzte. Letztendlich   habe   ich   dann   die   dem   BarracudaCast-Set   beigefügten   verkleideten   Auspuffstutzen   verwendet,   die   ab   Werk   in   die   letzten   Typhoon-Baureihen (und damit wohl auch in MN716) eingebaut wurden. Tatsächlich   wurden   diese   Auspuffverkleidungen   auf   dem   Feldflugplatz   meist   von   den   Mechanikern   entfernt,   was   die   Wartungsarbeiten   vereinfachte   und sogar ein paar zusätzliche Kilometer, äh Meilen, Höchstgeschwindigkeit brachte. Abschließend   brachte   ich   auf   dem   Rumpfrücken   noch   eine   Laufschiene   für   die   Cockpit-Haube   an   und   modellierte   die   Gummidichtungen   aus   dünnem Polystyrol-Rundmaterial.
Ansonsten erwartet den Modellbauer ein sauber gespritzter Bausatz ohne Sinkstellen oder lästige Auswerfermarken. Die Oberflächengravuren sind fein säuberlich versenkt ausgeführt und nicht   übertrieben   tief   gefurcht,   eher   ist   das   Gegenteil   der   Fall.   Generell   gesagt,   scheinen   die   letzten   zwanzig   Jahre   spurlos   an   den   Spritzgussformen vorübergegangen zu sein. Das Original: Mir war von Anfang an klar, dass ich keine raketentragende Typhoon bauen wollte. Schließlich   war   dieses   Flugzeugmuster   von   Sir   Sydney   Camm   (seit   1925   Chef-Designer   der   Hawker   Aircraft   Company)   als   Luftüberlegenheitsjäger   und Nachfolger der Hawker Hurricane konzipiert worden. Mit    einem    ‚Staketenzaun‘    von    acht    Raketengeschossen    unter    den    Tragflächen    käme    der    Typhoon    dann    auch    noch    das    letzte    bisschen    Jagdflug- zeugcharakter abhanden, was ich unbedingt vermeiden wollte. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Meine   Entscheidung   fiel   also   auf   eine   Hawker   Typhoon   1b   einer   der   letzten   Baureihen,   welche   sich   primär   durch   eine   gewaltige   Vierblatt-Luftschraube   von Rotol   oder   De   Havilland   und   das   vergrößerte   Höhenleitwerk   der   Hawker   Tempest   auszeichnete.   Die   tropfenförmige   Rundumsicht-Cockpithaube   (sog. Bubbletop) war da schon längst Standard. Die   von   mir   gewählte   Maschine   mit   der   Serien-Nummer   MN716   flog   bei   der   Royal   Canadian   Air   Force   (RCAF)   und   war   dem   143   Wing   zugeteilt.   Im Anschluss   an   D-Day   flog   sie   zunächst   bei   der   439   Squadron   (Squadron   Code   5V)   und   wurde   später   der   438   Squadron   überstellt   (Squadron   Code   F3).   Im Squadron-Ranking war sie die ‚A‘-Maschine, was wahrscheinlich der Grund für den Namenszug ‚Archer‘ auf der rechtsseitigen Motorverkleidung war. Für ihren Piloten P/O (Pilot Officer) R.G. ‚Bob‘ Fox war sie wohl eher ‚Diane‘, wie linksseitig schwarz auf weiß zu lesen war. MN716 war mit je einem Bombenschloss pro Tragflächenhälfte ausgerüstet. Es    ist    wichtig    zu    wissen,    dass    es    entweder    bomben-    oder    raketentragende   Typhoons    gab.    Eine    nachträgliche    Umrüstung    war    weder    werksmäßig vorgesehen, noch auf Feldflugplatzebene machbar. ‚Diane‘   überlebte   den   schweren   Luftangriff   am   Neujahrstag   1945   im   Zuge   der   deutschen   ‚Bodenplatte‘-Offensive   und   war   zu   diesem   Zeitpunkt   bereits   ein schwer geschundenes Schlachtross. Schwarz-Weiss-Fotos   vom   Oktober   und   Dezember   1944   zeigen   ‚Diane‘   mit   stark   abgenützter   und   gealterter   Oberflächentarnung,   großflächigen Auspuffruß- Antragungen sowie Motoröl- und Hydraulikflüssigkeitslecks an zahlreichen Blechstößen. Weiterhin   war   die   Maschine   mit   hoher   Wahrscheinlichkeit   mit   einem   Staubfilter   vor   dem   Vergaser-Lufteinlauf   ausgestattet.   Dieser   Vokes-Luftfilter   zeichnete sich   durch   zwei   federbelastete   Klapptürchen   aus   (von   den   Briten   unnachahmlich   ‚coockoo-clock   doors‘   genannt).   Hierdurch   konnten   Rückschlaggase   beim Starten des gewaltigen Napier Sabre - Motors gefahrlos entweichen, ohne dass der Filter wie ein Artilleriegeschoss davonflog. (Quelle: ‚Aviaeology‘-Decals Begleitheft)
Modell - Journal
kitchecker
Modell, Bilder und Text: Werner Scheibling
Der Bausatz: Außer   Hasegawas   Typhoon   gibt   es   im   Maßstab   1/48   m.E.   nur   noch   den   etwas   antiquierten   Monogram-Kit.   Der   ist   nicht   schlecht,   aber   in   den   Zeiten   von Eduard, Tamiya und jetzt sogar Airfix nur noch unverbesserlichen Nostalgikern zu empfehlen. Hasegawas   ‚Tiffie‘   lässt   mittlerweile   deutlich   erkennen,   dass   im   Plastikmodellbau   zwanzig   Jahre   vergangen   sind.   Damals   wurde   noch   ohne   Laser-3D- Scanner   am   Original   maßgenommen   -   und   das   ist   erkennbar.   So   hat   unser   Modell   (ähnlich   wie   Hasegawas   in   Ungnade   gefallene   Spitfire   Mk.   IX)   gewisse Probleme mit den Außenmaßen und der Formgestaltung: Legt   man   die   sogenannten   ‚Bentley-Pläne‘   zugrunde   (von   unseren   britischen   Freunden   als   absolut   verlässlich   gepriesen),   so   ist   der   der   Rumpf   im   Bereich vor dem Höhenruder ca. 2 -3 mm zu kurz geraten. Die Hauptfahrwerkschächte sind viel zu flach, der Spornradschacht ist ein gähnendes Loch. Die   Form   des   elliptischen   Lufteinlaufs   der   Kühlereinheit   erscheint   mir   persönlich   etwas   zu   gequetscht   und   wirkt   auf   Fotos   des   Originals   deutlich   größer   und rundlicher. Die gesamte Form der Hauptfahrwerkabdeckungen erscheint mir auch etwas zweifelhaft. Ich schätze, dass dies reichen würde, einen neuen Bf 109- oder Spitfire-Bausatz in der Luft zu zerreissen.
Farbgebung: MN716   war,   dem   Einsatzzeitraum   1944   /   1945   entsprechend,   auf   den   Oberseiten   in   den   Farbtönen   Ocean   Grey   und   Dark   Green   lackiert.   Die   Unterseiten trugen   den   Farbton   Medium   Sea   Grey.   Unmittelbar   vor   dem   Höhenleitwerk   umschloss   ein   18   Inch   breites   Band   im   Farbton   ‚Sky‘   den   Rumpf.   Der   Spinner war ebenfalls in ‚Sky‘ gehalten. Zu   diesem   Zeitpunkt   waren   die   sog.   ‚Invasion   Stripes‘   an   den   Tragflächenunterseiten   bereits   entfernt. An   der   Rumpfunterseite   war   MN716   noch   mit   Resten der   ‚Invasion   Stripes‘   versehen.   Das   Schwarz-Weiss-Foto   vom   Oktober   1944   erweckt   den   Eindruck,   dass   die   Streifen   mit   verdünnter   grauer   Farbe überstrichen wurden, um sie weniger auffällig zu machen. Ich   wollte   mir   die Airbrush-Arbeiten   etwas   vereinfachen   und   recherchierte   im   Internet   nach   vorgefertigten   Maskierfolien   für   das   typische Typhoon-Oberseiten- Tarnschema.   Die   tschechische   Firma AML   bietet   so   ein   Set   für   relativ   wenig   Geld   an.   Ich   kann   alle   Modellbau-Freunde   nur   warnen:   Die   Folien   sind   absolut unbrauchbar. Obwohl   die   farbig   gedruckte   Gebrauchsanleitung   die   Segmentierung   der Tarnfarben   perfekt   wiedergibt,   sind   die   Maskierfolien   derart   vereinfacht   vorgestanzt, dass   sie   mit   der   Realität   nicht   mehr   das   Geringste   zu   tun   haben.   Ich   fragte   mich   kurzzeitig   sogar,   ob   da   wohl   eine   falsche   Folie   verpackt   wurde.   Nein,   wurde sie nicht. Es ist halt nur völliger Murks. Mein Fazit: Eine Frechheit. Rausgeschmissenes Geld. Finger weg! Also   habe   ich   dann   doch   alle   Segmente   auf   Tamiya   Kabuki-Tape   vorgezeichnet,   ausgeschnitten   und   die   Ränder   mit   ‚Bluetack‘-Röllchen   eingefasst,   um etwas weichere Farbübergänge zu schaffen.
Die   RAF-Farbtöne   stammen   aus   den   einschlägigen   Sets   von   Hataka/Red   Line   (Polen)   und   Xtracrylics/Hannants   (Großbritannien).   Bei   beiden   Produkten handelt    es    sich    um    wasserverdünnbare   Acrylfarben,    optimiert    für    den   Airbrush-Einsatz.    Sowohl    Hataka/Red    Line    als    auch    Xtracrylics    fließen    (mit destilliertem   Wasser   verdünnt)   perfekt   von   der   0,35er-Airbrush-Düse   und   ergeben   ein   sauberes,   ausgesprochen   fein   pigmentiertes   Farbbild.   Beide   Produkte besitzen eine sehr starke Deckkraft. Bei   den   Farbtönen   Ocean   Grey,   Medium   Sea   Grey   und   Sky   gab   ich   Hataka   den   Vorzug,   während   ich   das   ‚Dark   Green‘   von   Xtracrylics   als   realistischer empfand (im Vergleich mit zeitgenössischen Farbfotos). Die   Basis-Farbgebung   hellte   ich   mit   mehreren   Filtern   aus   stark   verdünnten   Grün-   und   Grautönen   der   Firma   Vallejo-Air   auf.   Die   abschließende Alterung   der Oberflächentarnung erfolgte mit feiner Stahlwolle, winzigen, verwischten Farbpunkten diverser Ölfarbtöne und Pastellkreidenstaub. Die Gravuren der Blechstöße habe ich mit Pastellkreidenstaub und stark verdünnter Ölfarbe akzentuiert. Decals: Bei   diesem   Modell   kamen   (für   mich   als   Premiere)   Nass-Schiebebilder   des   kanadischen   Herstellers   ‚Aviaeology‘   zum   Einsatz.   Noch   nie   zuvor   hatte   ich jemals einen derart akribisch recherchierten und dokumentierten Abziehbilderbogen in den Händen. Allein    das    Begleitheft    mit    den    Instruktionen    umfasst    zwanzig(!)    A5-Seiten    und    lässt    keinerlei    Fragen    mehr    offen.    Jede    der    zwölf    möglichen Markierungsoptionen   wird   ausführlich   in   Wort   und   Bild   (Profilansichten   und   zeitgenössische   Fotos)   dokumentiert.   Und   als   ob   das   noch   nicht   genug   wäre,   so mailt   Aviaeology   das   besagte   Begleitheft   gegen   Kaufnachweis   kostenlos   als   PDF-Dokument   zu,   das   teilweise   in   Farbe   und   in   größtmöglicher   Auflösung gehalten   ist.   So   lassen   sich   selbst   kleinste   Details   der   Original-Fotos   genauestens   in   200%iger   Vergrößerung   studieren.   Die   Qualität   der   Decals   selbst   ist ausgezeichnet.   Auf    einem    mit    glänzendem    Klarlack    vorbehandelten    Untergrund    verschwindet    der    Trägerfilm    völlig    und    es    kommt    auch    nicht    zum gefürchteten   ‘Silvering‘.   Allerdings   reagiert   der   Trägerfilm   auf   MicroSol   erst   nach   mehrmaliger   und   satter   Anwendung   und   die   einschlägigen   Produkte   von Tamiya und Gunze zeigen keinerlei Wirkung. Der stumpfe Blau- und Rotton der Kokarden und das ‚Sky‘ der Kennbuchstaben sind perfekt getroffen. Mit   dem   gesonderten   Bogen   ‚Airframe   Stencils‘,   ebenfalls   von   Aviaeology,   hatte   ich   allerdings   kein   Glück.   Diese   Decals   wollten   einfach   nicht   haften   und lösten sich nach dem Trocknen wieder ab. Schade. Pilot: Wieder   einmal   hat   Mike   Good   bewiesen,   dass   er   der   Übervater   aller   1/48er   Piloten-Figuren-Schnitzer   ist.   Der   ‚RAF-Fighter   Pilot,   mid   to   late   war‘   überzeugt durch   seine   natürliche   Körperhaltung   und   die   Feinheit   aller   Details   –   vom   Faltenwurf   der   Uniformteile   über   die   Schwimmweste   bis   hin   zu   winzigsten   Knöpfen und Schließen. Er trägt sogar eine Armbanduhr am linken Handgelenk! Die   Figur   wird   ebenfalls   von   BarracudaCast   gefertigt   und   vertrieben   und   wird   mit   separaten   Armen   und   Kopf   ausgeliefert.   Allerdings   ist   die   Haltung   der Körperteile   nicht   variabel;   die   Trennung   dient   nur   dem   einfacheren   Bemalen.   Die   Farbgebung   erfolgte   zunächst   mit Airbrush   (Uniform-Blaugrau);   die   feinen Detailarbeiten   habe   ich   mit   Humbrol   Enamel-Farben   und   verdünnten   Ölfarben   ausgeführt.   Der   am   häufigsten   benutzte   Pinsel   hatte   die   Strichstärke   10- Null…   Erst   wenn   der   Pilot   (maßstäblich   umgerechnet   ca.   1,75m   Körpergröße)   neben   seiner   Typhoon   steht,   wird   einem   bewusst,   was   für   ein   Riesenbrocken dieses Flugzeug war. ‚Diane‘   steht   jetzt   in   meiner   Vitrine   neben   einer   Spitfire   Mk.   I.   Besser   kann   man   die   unterschiedlichen   Philosophien   der   beiden   Jahrhundert-Ingenieure Reginald J. Mitchell (Supermarine) und Sir Sydney Camm (Hawker) nicht deutlich machen!
Unterm Strich hat mir Hasegawas Typhoon sehr viel Modellbau-Mühe, aber durchaus auch Spaß bereitet. Vielleicht sollte ich mich jetzt doch einmal einem der neuen Super-Kits zuwenden. Wenn’s nur mal etwas anderes als 109, Spitfire oder Mustang wäre… Werner Scheibling
Lesenswertes zur Hawker Typhoon: The Hawker Typhoon incl. the Hawker Tornado A Complete Guide to the RAF’s Classic Ground Attack Fighter by Richard A. Franks Airframe & Miniature No.2, Second Edition Valiant Wings Publishing Ltd, England, ISBN: 978-0-9930908-8-2 The Hawker Typhoon by Francis K. Mason Profile Publications Ltd., England Wing Masters No. 104, Jan/Feb 2015 Ein ausführlicher Modellbauartikel zu Airfix‘ 1/24er Typhoon Mk. Ib in französischer Sprache mit ausgezeichneten Detailfotos von Olivier Soulleys The Royal Air Force of World War Two in Colour by Roger A. Freeman Arms & Armour Press London 1993 ISBN: 1-85409-185-9
Baustufen:
Wie   schon   bei   den   P-38   Lightnings   aus   selbem   Hause   machte   ich   auch   hier mit     der     dürftigen     Passgenauigkeit     der     Hauptbestandteile     so     meine Erfahrungen. Fast   alle   Berichtschreiber   vor   mir   klagten   schon   über   die   Einsätze   im   oberen Rumpfbereich   (für   die   Bubbletop-Version),   welche   nicht   maßgenau   passen. Selbst    wenn    die    Einsätze    zunächst    peinlich    genau    mit    der    jeweiligen Rumpfhälfte   verklebt   werden,   wird   sich   später   ein   etwa   1   mm   breiter   Spalt an der oberen Nahtstelle zeigen. Auch    im   Tragflächenwurzel-/Rumpfanschlussbereich    klafft    beiderseits    ein millimeterbreiter    Spalt,    wenn    man    den    richtigen    Tragflächensturzwinkel einhält.   Keinesfalls   sollte   man   versucht   sein,   die   Tragflächen   nach   oben   zu biegen   und   mit   Klebergewalt   an   den   Rumpf   zu   zwingen;   dies   würde   zu   einer völlig übertriebenen V-Stellung der Tragflächen führen (Dihedralwinkel)!
Verwendete Bausätze und Zurüst-/Umrüstteile: Italeri Model Kits No. 2734, 1/48, Hawker Typhoon Mk. Ib late, (Ex-Hasegawa) Barracudacast BR48041, Hawker Typhoon Bubbletop Cockpit Set Barracudacast BR48042, Hawker Typhoon Intake and Exhausts Barracudacast BR48138, Typhoon / Tempest Series 1 Wheel Set Aires 4399, Hawker Typhoon Wheel Bay Ultracast 48080, Hawker Typhoon (late) / Tempest enlarged Tailplanes Ultracast 48074,Hawker Typhoon 4-Blade Propeller & Spinner Ultracast 48237, Hawker Typhoon Tail Wheel Well Master – Reality in Miniature, Air Master Series, AM-48-083, Hawker Typhoon Mk.Ib, late type cannons with covered barrels Aviaeology Decals, AOD 48008, 143 Wing (RCAF) Typhoons: 438, 439 & 440 Sqns – 1944 thru to Bodenplatte, (Markierungen für insgesamt zwölf Maschinen der Royal Canadian Air Force) Aviaeology Decals, AOD 48S03, Airframe Stencil / Data Series, Typhoon Mk. I Eduard Mask EX090, Typhoon Mk.Ib Bubbletop BarracudaCast, BR48270, RAF WWII Mid/Late War Fighter Pilot Master gestaltet von Mike Good