Das Glühwürmchen
Modell: Fairey Firefly Mk.I
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/48
Verwendeter Bausatz: Special Hobby (SH48127)
Um mit der wichtigsten Frage zu beginnen: was brachte die namensgebenden Stellen wohl dazu, nach einer Reihe von über der Hochsee jagenden Seevögeln – Skua, Fulmar, ja selbst der mythische Vogel Roc wurde gewählt – ausgerechnet das winzige Glühwürmchen als Namensgeber für das imposante neue Jagdflugzeug der Fleet Air Arm zu wählen?

Auch wenn bei der Namensgebung mit einer Tradition gebrochen worden ist, so setzt Fairey mit der Firefly eine Linie erfolgreicher Träger-Jagdflugzeuge fort: das „Glühwürmchen“ gleicht in Konstruktion und konzeptueller Auslegung ihrem Vorgänger Fulmar. Schon ihr Äußeres unterstreicht die enge Verwandtschaft. Fulmar wie Firefly sind als aerodynamisch sauber durchgeformte Tiefdecker konzipiert, bei beiden Entwürfen beherbergt der langgestreckte Rumpf ein zweites Besatzungsmitglied, der als TAG (Telegraphist Air Gunner) den Piloten bei der Navigation entlastet. Gleich wie bei der Fulmar wurde auch bei der Firefly auf den „Stachel im Schwanz“, das heißt auf den Einbau von vom Funker bedienten Abwehrwaffen, verzichtet.
Bereits im Sommer 1940, also zum Zeitpunkt der Einführung der Fulmar bei der FAA, startete die Entwicklung ihres geplanten Nachfolgers. Am 22. Dezember 1941 hob der erste von drei Prototypen ab, bis September 1942 folgte die weitere Erprobung des neuen Entwurfes, wobei die Tests auf dem Träger HMS Illustrious den Abschluss bildeten. Mit dem März 1943 begann die Auslieferung der ersten Serienmaschinen der Fairey Firefly Mk. I.
Zwar war die Firefly der Fulmar konstruktiv ähnlich, bewegte sich aber in einer Gewichts- und Leistungsklasse höher. Brachte die Fulmar ausgerüstet etwa viereinhalb Tonnen auf die Waage, waren es bei der Firefly über sieben Tonnen Startgewicht. Trotzdem erreichte die Firefly Mk. I mit dem Rolls&Royce Griffon II rund 550 km/h Spitzengeschwindigkeit (die spätere Mk. V sogar 620 km/h), war also rund 100 km/h schneller als die Fulmar. Mit 11,47 m Länge und einer Spannweite von 13,57 fiel die Firefly dagegen sogar etwas kleiner als die Fulmar aus, was in Hinsicht ihrer Verwendung auf Flugzeugträgern eine willkommene Entwicklung war.
Zum Einsatz sollte die Fairey Firefly erstmals im Juli 1944 von Bord der HMS Indefatigable kommen, von der aus das deutsche Schlachtschiff Tirpitz angegriffen wurde. Der Kriegsschauplatz, in dem die Firefly in großem Maßstab eingesetzt werden sollte, war jedoch nicht der Atlantik, sondern die Weiten des Pazifiks. Bei Kriegsende flogen acht Staffeln der FAA die Firefly Mk. I, wobei sie in Ermangelung gegnerischer Jagdflugzeuge vor allem als Jagdbomber in Erscheinung trat. Mit einem US-amerikanischen AN/APS-4-Radar ausgerüstet konnte die Mk. I auch als Nachtjäger überzeugen. Insgesamt sind 658 Fairey Firefly Mk. I ausgeliefert worden – was aber noch lange nicht das Ende der Produktion bedeutete, wie gleich zu lesen sein wird.
Das hier gezeigte Modell einer Firefly Mk. I Z1830 stellt eine besondere Maschine dar: sie war tatsächlich die erste ausgeliefert Serienmaschine dieses Musters und kam als Teil der No. 1770 Squadron FAA vom Träger HMS Indefatigable aus bei „Operation Mascott“ zum Einsatz: am 17. Juli 1944 versuchte man als Teil einer umfassenden Angriffsserie mit Trägerflugzeugen die im norwegischen Kaafjord liegende Tirpitz zu versenken – vergeblich, wie die Geschichtsbücher berichten.
Die hier vorgestellte Version Mk. I war beileibe nicht die letzte Ausgabe dieses wichtigen Kampfflugzeuges: ab 1946 nutzten die Einheiten der FAA die Firefly-Weiterentwicklungen Mk. IV und MK. V, die einen Griffon 74 als Antrieb sowie eine neu konzipierte Motorkühlung verwendeten. Dies waren Maßnahmen, welche die Firefly nicht nur noch schneller werden, sondern auch wesentlich schnittiger aussehen ließen. Die Produktion der Firefly Mk. IV und V lief noch bis 1956, erst ab der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre sollte sie von der Fairey Gannet abgelöst werden.
Zu Bausatz und Bauprozess
Ich hatte den Bausatz der Firefly Mk. I schon lange auf Lager, bevor ich mich unlängst entschlossen habe, ihn auch tatsächlich umzusetzen. Ein Grund des Zögerns lag im gewissermaßen ungeschlachten Aussehen der Spritzgussteile, die da am dicken Strebewerk der Gussrahmen zu finden waren: das versprach, etwas mühsam zu werden! Allerdings hatte ich in der Zwischenzeit einige schöne Erfahrungen mit Special Hobby Bausätzen machen können, die alle in der Einsicht zusammengefasst werden können: die Mühe lohnt sich!
Vorsorglich war ein passender Ätzteilsatz von Eduard besorgt worden, was ich auch allen Interessierten empfehlen möchte. Mit diesem Zusatz war der Bau dann erstaunlich problemarm und innerhalb überschaubaren Aufwands zu verwirklichen. Man darf sich allerdings nicht scheuen, manche Teile zu ersetzen – etwa die zu wuchtig gestalteten Sitze – oder stark nachzubearbeiten. Dies war etwa bei der Montage der beiden Kanzelverkleidungen notwendig, dem eigentlichen und einzigen Manko des Bausatzes. Die Baufotos zeigen recht gut, wie hier Skalpell, Schleifpapier und Spachtelmasse zusammenwirken mussten, um einen zumindest angemessenen Sitz der Klarteile zu erzielen. Auf diesen Bildern sind weiters die beiden Auspuffanlagen aus Resin zu sehen. Diese liegen dankenswerterweise dem Bausatz bei, die offenen Auspuffstutzen machen sich natürlich recht gut.
Eine gute Entscheidung war auch der Einsatz der Hispano Maschinenkanonen von Master als Ersatz für die Kunststoffteile. Mit ihren Messing-Rohren und den detailliert wiedergegebenen Federmechanismen für die vier unverkleideten 20-mm-Maschinekanonen wird der Gesamteindruck wesentlich verbessert und auf ein hohes Level gehoben. Auch diese unaufwendige Maßnahme möchte ich wärmstens empfehlen.
Alles andere lief im Wesentlichen wunderbar. Lobend möchte ich die Ausstattung hervorheben: so macht sich das Resin-Teil für das Fahrwerkschacht-Innere sehr gut, auch erwiesen sich die Schiebebilder (wie meist bei Special Hobby) als von allererster Güte und waren eine Freude zu verarbeiten.
Als Fazit kann ich sagen, dass diese gut ausgestatteten Bausätze es unbedingt wert sind, verwirklicht zu werden. Special Hobby bietet eine große Bandbreite an Versionen dieses wichtigen Flugzeugtyps an. Nach den oben beschriebenen Erfahrungen wird diese Mk. I sicher nicht die einzige Firefly von Special Hobby bleiben, die in die Vitrine wandern wird.
Eine Frage muss allerdings auch nach dem erfahrungsreichen Bau und den damit verbundenen Recherchen unbeantwortet bleiben: wie kann man ein so beeindruckendes Flugzeug nur „Glühwürmchen“ nennen?
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer





