Gehörte zur Battle of Britain
wie Spitfire und Hurricane
Modell: Albion AM463 Three Point Fueller
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/48
Verwendeter Bausatz: Airfix (A03312)
Die Motivation, die mich dazu getrieben hat, Airfix Neuauflage des Albion AM463 Three Point Fuellers auf den Werktisch zu legen, darf ich wohl auch bei vielen Modellbaukollegen meiner Generation vermuten: dieses Fahrzeug ist einfach eine Ikone und zählt neben Spitfires und Hurricanes zum kollektiven Erinnerungs-Inventar der „Battle of Britain“. Dem steht gegenüber, dass ich bis zum Bau des Modells sehr wenig über die Hintergründe dieses Fahrzeugs gewusst habe. So wurde mir erst bei näherer Auseinandersetzung deutlich, welch spannenden Geschichten da zu erzählen waren!

Tatsächlich war dieser Tankwagen schon seit 1935 auf den Flugfeldern der Royal Air Force im Einsatz, wobei er nicht nur auf der britischen Heimatinsel Flugzeuge betankte, sondern auch auf Basen im Nahen Osten, Fernostasien oder Afrika präsent war. Ab etwa 1942 wurde der Albion AM463 schrittweise durch leistungsstärkere Tankwagen wie dem Bedford QL abgelöst. Diese Generation konnte das gestiegen Tankvolumen neuerer Einsatzmaschinen bedienen.
Die Konstruktion des Three Point Fuellers geht auf das Chassis des Albion 463 Lastwagens zurück. Albion, ein renommierter Fahrzeughersteller aus Schottland mit Sitz in Glasgow (pikant scheint mir hier, dass die nationalstolzen Schotten den alten Namen für England als Firmenbezeichnung gewählt hatten!) lieferte dem Air Ministry mit diesem Fahrzeug eine ideale Basis für einen neuen Flugzeug-Tankwagen. Das „AM“ in der Fahrzeugbezeichnung weist so entsprechend auch für den Auftraggeber hin.
Revolutionär neu war das Verfahren, über drei schwenkbare Arme drei Flugzeuge gleichzeitig auftanken zu können. Dies beschleunigte die nicht unwichtige „turn around“ Zeit natürlich gewaltig. Das Volumen des Haupttanks mit 450 Imperial Gallons (ca. 2.045 Liter) war auf diesen Zweck hin optimiert: eine Spitfire der frühen Versionen hatte einen Haupttank von 85 Imperial Gallons (ca. 386 Liter). Mit dem Flugbenzin in seinem Haupttank konnte ein Albion Fueller so sechs Spitfire in zwei Durchgängen betanken.
Der Albion AM463 Three Point Fueller wurde von einem 65 PS starken 4-Zylindermotor angetrieben und hatte als ein 2-Tonner 4X2 LKW einen Radstand von 3,65 Metern. Etwa 400 Einheiten dieses ikonischen Fahrzeuges wurden insgesamt an die Royal Air Force geliefert.
Interessant sind die Gedanken, die man sich zu der oft gesehenen Zahl „230“ auf den Albion-Tankern gemacht hat. Einerseits liest man, es handle sich um die Oktanzahl des Flugbenzins, was allerdings unwahrscheinlich erscheint, da eher die Oktanzahlen 87 oder 100 zur damaligen Zeit Standard waren. Spekuliert wird auch, dass „230“ die Kennzeichnung eines Treibstoffdepots gewesen sein könnte. Eindeutig gelöst ist dieses Rätsel jedoch noch nicht – aber sind nicht die Geschichten, die noch Raum für Entdeckungen und Spekulationen lassen, die interessantesten?
Zum Abschluss noch ein Wort zur weiteren Verwendung des Albion AM463. Dessen Grundkonzeption hatte sich rasch als derartig brauchbar erwiesen, dass die britischen Streitkräfte auch weitere Modifikationen des 463er Chassis als Sanitätswagen, Transporter und sogar als Bus für den Personentransport adaptieren ließen und in Verwendung stellten. Insgesamt ist so während der Kriegsjahre die stolze Zahl von 1.900 AM46 der verschiedenen Versionen an das britische Militär geliefert worden.
Zu Bausatz und Bauprozess
Die Neuauflage des Bausatzes von 2015 bietet eine schöne Ausgangsbasis für den Bau eines AM463 Tankwagens. So ist der Motorraum mit den wesentlichen Formen des 4-Zylindermotor ausgestattet, eigentlich eine Einladung, mit ein paar Improvisationen und Details mehr die Motorhaube geöffnet darzustellen. Dies habe ich selbst zwar nicht gemacht, dafür aber ein paar Nachbesserungen bei dem Gestänge der Tankausleger vorgenommen: hier wurden die Spanndrähte, welche die einzelnen Ausleger versteifen und tragen, hinzugefügt. Geführt werden diese Drähte über Rollen, die ich mitsamt ihrer Lagerung mittels Ätzteilresten nachgestellt habe.
Nachzubessern galt es auch bei der Gestaltung der Windschutzscheibe. Hier war ich mit dem Klarsichtteil nicht zufrieden, da es durch seine ausgeprägte Dickwandigkeit und den angegossenen Streben der Fensterteilungen stark spiegelte – man sieht das noch auf den letzten Baufotos. Daher wurde aus Ätzteilen eine korrekte Teilung der mehrteiligen Windschutzscheibe vorgenommen und auch noch Scheibenwischer in vorbildnaher Form improvisiert.
Einen gewissen Aufwand bedeutet das Verspachteln der beiden mittig und längs verlaufenden Klebenähte des Haupttanks. Nach meinem Dafürhalten waren am Original hier keine Vertiefungen zu sehen, sodass ich um ein Verspachteln nicht herumkam. Eine gewisse Passungenauigkeit ergab sich auch noch bei der Befestigung des Kabinendaches. Ob das allerdings durch eigene Ungeschicklichkeit verursacht wurde, oder es sich tatsächlich um verzogene Bausatzteile handelte, wage ich im Nachhinein nicht mehr zu beurteilen.
Die Decals sind von sehr guter Qualität, leider liegt aber kein Schiebebild für die an der Innenseite der linken Tür der Tankpumpenverkleidung befindlichen Bedieninstruktion vor. Dies wäre leicht gemacht gewesen und fehlt wirklich, weil es bei geöffneten Hecktüren wesentlich zur Gesamtwirkung beiträgt. Nachdem ich hier unbedingt eine Lösung wollte, habe ich mit Decalresten eine eigene Version dieser Tank-Instruktionen nachgestellt – und diese „ölverschmiert“ bemalt, um die Improvisation etwas zu tarnen.
Fazit
Airfix Albion Three Point Fueller ist ein wunderbarer und gut gemachter Bausatz, der mit einigen wenigen Eingriffen leicht noch ein wenig weiter aufzuwerten ist. Somit kann ich diesen endlich wieder erhältlichen Bausatz wärmstens allen Interessierten empfehlen!
Abgelichtet habe ich ihn gemeinsam mit einem zweiten Airfix-Produkt, einer Boulton Paul Defiant Mk.I, die ich vor einiger Zeit gebaut habe. Für mich machen die entstandenen Fotos noch einmal die eingangs aufgestellte Behauptung wahr: der Albion AM463 Tankwagen ist eine wahre Ikone!
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer




