Im Kampf für die Republik
Modell: Caudron C.600 Aiglon
Gebaut von: Werner Scheibling
Maßstab: 1/48
Verwendeter Bausatz: S.B.S. Model (SBS4001)
Es kommt nicht sehr oft vor, dass ich mir zweimal direkt hintereinander den gleichen Bausatz auf den Arbeitstisch lege. Bei der Caudron C.600 des ungarischen Herstellers S.B.S. konnte ich nicht widerstehen. Nachdem ich diesen wunderschönen Resin-Kit im Maßstab 1/48 zunächst als Einsitzer mit ziviler Kennung gebaut hatte, wollte ich dem fertigen Modell auch den klassischen Tandem-Zweisitzer zur Seite stellen.
Den Kontrast zum silberfarbenen Sport- und Reiseflugzeug der französischen Ausnahmepilotin Suzanne Kohn sollte eine militärische Aiglon im Tarnkleid bilden. Hier bot sich ein passender Kit im Maßstab 1/48 von S.B.S. unter der Nr. SBS4001 an.

Im Juli 2026 wird sich der Ausbruch des verheerenden Spanischen Bürgerkriegs zum 90. Mal jähren. Für mich war damit klar, dass meine zweisitzige militärische Caudron C.600 Aiglon die Farben der spanisch-republikanischen Luftstreitkräfte (Fuerzas Aéreas de la República Española [FARE]) tragen wird.
Im Bausatz enthalten ist ein perfekt gedruckter Decal-Bogen (Wasserschiebebilder) für drei Varianten der Aiglon in Markierungen aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs, allesamt Zweisitzer. Zwei Maschinen flogen bei den aufständischen spanisch-nationalistischen Luftstreitkräften, eine bei der regierungstreuen Luftwaffe der Zweiten Spanischen Republik.
Der Luftwaffenstützpunkt Los Alcázares – Burguete – El Carmolí
Die einzige Hintergrundinformation zur Geschichte der republikanischen Aiglon mit der Kennung EA-006, die uns S.B.S. anbietet, lautet: ‚El Carmolí 1937‘. Glücklicherweise fand ich im Internet eine sehr informative Website zur geografischen, aber auch militärischen Geschichte dieses interessanten Landstrichs. Den Link zu dieser Website findet ihr am Ende dieses Berichts.
Die Website ist zwar auf Spanisch, was aber im Zeitalter künstlicher Intelligenz und den darauf aufbauenden Übersetzungsprogrammen kein Problem mehr darstellt.
Hier kurz das Wichtigste: Wir befinden uns im süd-östlichen Küstenlandstrich Spaniens, in der Provinz Murcia. Etwa 15 Kilometer Luftlinie nord-östlich des wichtigen Mittelmeerhafens und der Marinebasis Cartagena findet sich der kleine Küstenort El Carmolí, benannt nach einem gleichnamigen erloschenen Vulkanhügel von etwa 110 Metern Höhe, dem Cabezo de El Carmolí.
Nachdem bereits seit 1915 im nahegelegenen Los Alcázares militärische Luftfahrt und später auch noch ein Logistikzentrum betrieben wurde, war spätestens mit dem Beginn des Spanischen Bürgerkriegs klar, dass der dortige Flugplatz Burguete den Anforderungen einer modernen Militärluftfahrt nicht mehr gewachsen war.
Man entschloss sich daher im Jahr 1937, direkt nördlich des Ortes El Carmolí ein komplett neues Flugfeld mit zwei Beton-Start- und Landebahnen und einem ebenfalls betonierten Parkstreifen für die dort stationierten Flugzeuge zu bauen. Eine eigens eingerichtete Eisenbahnlinie verband den Hafen Cartagena mit dem Logistikzentrum Los Alcázares und fast die gesamten sowjetischen Fluggerätschaften wurden auf diesem Weg ins republikanische Spanien angeliefert.
Um die allerbesten Nachwuchs-Piloten mit den sowjetischen Jagdflugzeugmustern Polikarpov I-15 Chato und I-16 Mosca vertraut zu machen, wurde auf diesem Luftwaffenstützpunkt die ‚Hochgeschwindigkeitsflugschule El Carmolí‘ eingerichtet (Escuela de Vuelo de Alta Velocidad).
Der Doppeldecker I-15 und der Tiefdecker I-16 mit Einziehfahrwerk waren neben dem Schnellbomber Tupolev SB-2 Katiushka das Modernste, was Stalins Sowjetunion der Republik zu bieten hatte – während sich Frankreich, die USA und Großbritannien mit Waffenlieferungen vornehm zurückhielten.
Stalin knüpfte weitere militärische Unterstützung jedoch an seine eigenen Vorstellungen, was die künftige politische Ausrichtung Spaniens anging. Dies war aber so mit der Volksfrontregierung der Spanischen Republik nicht zu machen. Folgerichtig versiegte weiterer Nachschub mit sowjetischem Fluggerät, die sowjetischen Luftwaffen-Instruktoren wurden abgezogen und somit war (neben etlichen anderen ungünstigen Faktoren) der Untergang der Zweiten Spanischen Republik besiegelt.
Nach dem Zusammenbruch des republikanischen Widerstands gegen Francos Truppen samt seiner italienischen und deutschen ‚Legionäre‘ und dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs am 1.4.1939 ging auch El Carmolí in die Nutzung der nationalistischen Luftstreitkräfte über. Dieser Tage ist vom ehemaligen Flugplatz El Carmolí nur noch der betonierte Flugzeug-Parkstreifen und ein im Verfall befindliches Nebengebäude erhalten. Die beiden Start- und Landebahnen wurden entfernt.
Erfreulicherweise gehört das gesamte Umland des Vulkankegels samt Küstenstreifen heute zum Naturpark Espacios Abiertos e Islas del Mar Menor, ist als ZEPA (Zone de Especial Protección para las Aves / Vogelschutzgebiet) ausgewiesen und als LIC (Lugar de Importancia Comunitaria) eingestuft.
Wer von Euch an der (äußerst interessanten) Geschichte des Flugzeugherstellers Caudron-Renault und an technischen Details zur Caudron C.600 Aiglon interessiert ist, den möchte ich an zwei meiner vorhergehenden Bauberichte verweisen. Diese behandeln das Rennflugzeug Caudron-Renault C.561 und den Einsitzer Caudron C.601 Aiglon Senior.
Alles, was ich zu diesen Themen mit meinen bescheidenen Mitteln in Erfahrung bringen konnte, habe ich dort bereits niedergeschrieben. Die Links zu diesen Bauberichten findet ihr ganz am Ende.
Das mittlere Foto unten zeigt angehende spanisch-republikanische Jagdflieger vor ihrer Caudron C.600 in El Carmolí.
Anmerkungen zum Bau dieses Modells
Auch hier gilt: Alles, was ich zur Top-Qualität dieses Resin-Kits im Feature zur C.601 Aiglon-Senior beschrieben habe, kann ich auch bei diesem Baubericht 1:1 übernehmen. S.B.S nimmt es bei diesem Kit mit der Detailtreue zum historischen Vorbild sehr genau, und so liegen dieser militärischen Version einige neue Teile bei.
Einmal handelt es sich um die rechte Hälfte der Rumpfnase mit einer zusätzlichen länglichen Lufthutze, dann um drei stummelartige Auspuffstutzen, die sich – man glaubt es kaum – auch noch im Querschnitt unterscheiden. Weiterhin finden wir im Bausatz eine neue Seitenflosse samt Seitenruder, deren Oberkante schräg nach hinten unten abfällt.
Zwar musste ich zwei oder drei kleine Lufteinschlüsse aufbohren, mit dickflüssigem Sekundenkleber füllen und verschleifen, aber das gehört beim Bau eines konventionellen Resin-Kits fast immer dazu.
Was man sich auf gar keinen Fall ersparen sollte, ist, die Tragflächenhinterkanten sofort nach dem Auspacken mit Maskierband abzukleben, am besten doppelt. Nur so lässt sich irreparabler und fast unvermeidlicher Bruch dieser messerscharfen und hauchfeinen Kanten während des weiteren Handlings vermeiden (ich spreche auch hier aus eigener Erfahrung).
Es ist auch sehr ratsam, beide Tragflächen, Höhen- und Seitenflossen sowie die Rumpfnase nicht nur stumpf zu verkleben, sondern die Klebeflansche mit passgenauen Metallstiften zu verstärken. Ich behaupte sogar, dass diese Anbauteile aufgrund ihrer ausgesprochen maßstabsgetreuen, filigranen Ausgestaltung und den daraus resultierenden minimalen Klebeflächen den weiteren Baufortschritt samt Maskieren, Airbrushen und Patinieren nicht in situ überleben würden.
Was beim Bau eines Resin-Kits ebenfalls dazu gehört, ist das nicht immer ganz mühelose Vorbereiten sämtlicher Einzelteile: Größere Teile wollen mit einer Präzisions-Resin-Säge von ihrem Anguss gelöst werden, kleinere Teile dürfen auch schon mal mit einem guten Seitenschneider abgezwickt werden. Immer jedoch muss mit Feile und Schleifpapier nachgearbeitet werden.
Sollte man doch mal eine Klebenaht füllen und versäubern müssen, so gelingt dies am besten mit Sekundenkleber mittlerer Viskosität, z.B. Zap-A-Gap. Überschüssiger Klebstoff kann unmittelbar nach dem Aushärten mit einem in Aceton getränkten Wattestäbchen entfernt werden, da PU-Harz von diesem Lösungsmittel nicht angegriffen wird.
Farbe und Finish
Die Markierungsinstruktionen des ungarischen Herstellers umfassen ein attraktives A5-Blatt im Farbglanzdruck, wobei Ober- und Unterseite, sowie Seitenansichten der gewünschten Variante abgebildet sind. Die Farbangaben für die republikanische Maschine beschränken sich jedoch auf die eher vagen Bezeichnungen ‚Khaki Green‘ und ‚Neutral Grey‘.
Bei der Recherche zur Farbgebung der beiden Cockpits ist der Modellbauer komplett auf sich selbst gestellt. Erst nachdem ich meine erste Aiglon fertiggestellt hatte und meine zweite in Angriff nahm, stieß ich im Internet auf ein Farbfoto des hinteren der beiden Cockpits. Hier ist klar zu sehen, dass zwar die Seitenwände im für Caudron typischen hellen Blaugrau lackiert sind, dass aber Cockpitboden und die Ruderpedalwippe aus rötlichem Holz gefertigt und so belassen sind. Der Bereich vor den Ruderpedalen ist durch eine Aluminiumauflage geschützt.
Monochrome Farbflächen stellen für den anspruchsvolleren Modellbauer immer eine gewisse Herausforderung dar: Wird nur in einem Farbton lackiert, wird das Modell später meist stumpf, leblos und spielzeugartig aussehen.
Ich habe daher nach dem Grundieren des Modells mit Mig’s grauem One-Shot-Primer zunächst für einen unruhigen Untergrund mit Hilfe einer ‚Splatter‘-Schablone gesorgt: Schwarzgrün auf den Oberseiten, dunkelgrau auf den Unterseiten.
Anschließend trug ich die endgültigen Farbtöne in mehreren lasierenden Farbschichten auf. Ich arbeite fast ausschließlich mit den ‚Model Air‘-Acryl-Farben von Vallejo, die zu diesem Zweck mit einigen Tropfen des sogenannten ‚Glaze Mediums‘, ebenfalls von Vallejo, ganz nach Geschmack transparenter gemacht werden können, ohne dass die Farbe in ihrer Substanz verdünnt wird. D.h., das Durchflussverhalten im Airbrush verändert sich nicht.
Schließlich habe ich noch mit aufgehellten Farbtönen an exponierten Stellen Highlights gesetzt. Da mir präzise Farbangaben nicht zur Verfügung standen, habe ich mich für folgende Farbtöne entschieden:
Oberseiten: Vallejo 017 ‚Russian Green‘, Aufhellung unter Zufügung von
Vallejo 71.143 ‚UK Light Stone‘
Unterseiten: Vallejo 71.307 ‚BS Medium Sea Grey‘, Aufhellung unter Zufügung von Vallejo 71.050 ‚Light Grey‘.
Die roten Tragflächen- und Rumpfband-Markierungen sowie das Seitenruder in den Farben der republikanischen Trikolore mussten akribisch maskiert und lackiert werden, da S.B.S. lediglich die schwarzen und weißen Individualnummern als Wasserschiebebilder beisteuert. Ich habe die Stunden nicht gezählt, die ich allein mit Ausmessen, Zuschnitt und Anbringen der Masken zugebracht habe. Dabei sah das so einfach aus…
Das Violett der spanisch-republikanischen Trikolore (die bis heute in Spanien je nach Betrachter das Emotions-Pendel in eines der beiden Extreme ausschlagen lässt) ist eine kleine Wissenschaft für sich. Ich war erstaunt, was sich da so alles im Internet findet.
Irgendwelche FS- oder RAL- Bezeichnungen wird man allerdings vergebens suchen. In Spanien wird dieser Farbton als ‚Morado Oscuro‘ (wörtlich: ‚dunkel-maulbeerfarben‘ oder einfach ‚dunkel-violett‘) bezeichnet. Nach einigem Experimentieren habe ich mich für den Farbton ‚0079 purple‘ von Mig Jimenez ‚IONIC-Colors‘ entschieden.
Für Alterung und Patinierung griff ich auf meine bewährte Methode mit Künstler-Ölfarben, Pastellstäuben und abschließend noch aquarellierbaren Farbstiften zurück.
Kurz vor dem Zieleinlauf hätte mir meine Neugier auf neue Produkte fast noch einen Strich durch die Rechnung gemacht: Nachdem ich mit Mig-Ammo’s grauem ‚One Shot Primer‘ nur die allerbeste Erfahrung gemacht hatte, wollte ich die abschließende Mattlack-Versiegelung auch mit einem Produkt von Mig-Ammo vornehmen.
Hier bot sich der vollmundig als ‚Lucky Varnish‘ bezeichnete Acryllack an. Und in der Tat, das Produkt lässt sich direkt aus der Flasche perfekt mit dem Airbrush aufbringen und trocknet in einem sehr angenehmen matten Finish ab, ohne in den gefürchteten weißlichen Frost-Effekt zu verfallen.
ABER: Trotz einer Trocknungszeit von zwei Tagen löste sich dieser Lacküberzug bei einfacher Berührung mit den Fingern wieder ab. Einmal leicht über die Tragflächenvorderkante streichen und der ‚Lack war ab‘. Haftung gleich Null.
Ich habe dann im Internet recherchiert und musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich hier etliche Blog-Einträge finden, die von ähnlichen Horror-Geschichten handeln: ‚Lucky Varnish‘, der sich nach einigen Tagen in eine klebrige Masse verwandelt, ‚Lucky Varnish‘, der von Decal-Weichmachern angelöst wird, usw. usf.
Das Grauen hat einen Namen und ironischerweise ein Etikett mit vier Assen. Ich konnte mein Modell dann doch noch retten, indem ich alles mit dem bewährten matten Acryl-Lack von MicroScale (Micro Flat) versiegelte.
Gerade nochmal Glück gehabt!
Mit diesem Artikel und meiner ‚Aiglon‘ möchte ich in diesem geschichtsträchtigen Jahr an all die mutigen Piloten der republikanischen Luftstreitkräfte, aber auch der Internationalen Brigaden erinnern, die in ihrem hartnäckigen Kampf gegen die drohende Franco-Diktatur letztlich chancenlos blieben.
Links zum Baubericht
Die Geschichte der Hochgeschwindigkeitsflugschule El Carmolí
Caudron C.561 Rennflugzeug ‘Coupe Deutsch De La Meurthe’
Caudron C.601 Aiglon Senior ‘Suzanne Kohn’
© Modell, Bilder und Text: Werner Scheibling





