Hanomags Gigant
Modell: Hanomag SS-100 Gigant
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/48
Verwendeter Bausatz: Tamiya (32593)
Schlägt man im Lexikon nach, was denn eigentlich eine „Zugmaschine“ sei, wird einem die Vielfalt dieses Themas begriffereich vor Augen geführt: diese leistungsstarke Fahrzeugklasse zieht Wagen, Anhänger und Sattelauflieger ebenso wie diverse Anbaugeräte. Als sogenannte Schwerlastzugmaschinen werden auch tonnenschwere Straßenroller bewegt. Zugmaschinen werden aber auch zu exotischen Dingen wie dem Treideln von Lastkähnen in der Binnenschifffahrt verwendet, ebenso wie sie – der Name ist auch hier Programm – als vertrautere „Traktoren“ (vulgo Trekker, Schlepper etc.) in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Ziehen sie nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Güter oder Personen, werden sie als Zugfahrzeuge bezeichnet. Um nun zum Punkt zu kommen: Zugmaschinen zählen zwar nicht zu den Lastkraftwagen im engeren Sinn, sind aber offensichtlich seit Erfindung des Kraftfahrzeuges omnipräsent und von allerhöchstem Nutzen.
Auch das Militär bedient sich der großen Nutzungsbreite von Zugmaschinen von Beginn ihrer Verfügbarkeit an: so sind damals wie heute schwere Zugmaschinen als Schlepper für Artillerie aller Art unersetzlich, gleiches gilt für ihre Verwendung als Zugmaschinen für den Panzertransport. Neben jener typenreichen Menge an Zugmaschinen, die im allgemeinen Transport- und Logistikbetrieb des Militärs zu finden sind, existiert mit der Klasse der Flugfeld-Zugmaschinen eine eigene Gruppe, die als Unterstützungsfahrzeuge zum Bewegen von Flugzeugen unentbehrlich geworden sind. Hier kann von der allgemeinen Darstellung zu einer kurzen Charakterisierung des Hanomag SS-100 übergeleitet werden!
Die Hannoversche Maschinenfabrik AG, besser unter dem Namen Hanomag bekannt, zählte Mitte der Dreißigerjahre zu den renommiertesten Herstellern von Lokomotiven, Nutzfahrzeugen und eben Zugmaschinen. Seit 1936 in Produktion, war der SS-100 Gigant das leistungsstärkste Produkt des Herstellers. Nach Kriegsbeginn wurde Hanomag für die deutsche Rüstung nicht nur als Hersteller von Schützen- und Kampfpanzerwagen interessant, die über neu eingerichtete Fertigungsstraßen vom Band liefen, sondern auch als Lieferant für schwere Zugmaschinen.
Schon 1938 übernahm die Wehrmacht eine erste Serie von gegenüber der zivilen Ausgabe verbesserten SS-100 Gigant, bis Kriegsende sollten über 6.200 dieser Zugmaschinen an das Militär geliefert werden. Diese waren anfangs für die Luftwaffe vorgesehen gewesen, fanden aber schnell in allen Truppenteilen weite Verbreitung.
Mit den 100 PS des Sechszylinder Hanomag Dieselmotors D 85S war der Gigant in der Lage, zwei 10 Tonnen-Anhänger zu ziehen, was ihn zu einer der stärksten Zugmaschinen seiner Zeit machte. Das zulässige Gesamtgewicht von 6.770 kg brachte der SS-100 mit einem Radstand von drei Metern und einer Spur v/h von 1908 /1836 stabil auf den Untergrund. Je nach Getriebeausführung erreichte der Hanomag Gigant eine Geschwindigkeit von 35 bis 45 km/h.
Die Produktion des Hanomag-Giganten lief nach dem Krieg übrigens noch bis 1951 bzw. 1953 unter der Bezeichnung ST-100 für den zivilen Markt weiter. So wundert es nicht, dass auch heute noch eine Anzahl von meist liebevoll gepflegten fahrbereiter „Giganten“ zu finden sind!
Zu Bausatz und Bauprozess
Nachdem das Angebot von Flugfeld-Unterstützungsfahrzeugen im beliebten 48er Maßstab recht überschaubar ist, war das Erscheinen dieses Bausatzes im Jahr 2017 höchst willkommen – und dies umso mehr, als der Name Tamiya hohe Erwartungen weckt! Diese wurden auch nicht enttäuscht: die Passgenauigkeit ist makellos, die Präzision des Gusses beeindruckend und der Teileaufbau stimmig konzipiert.
Eine Besonderheit findet sich in der Umsetzung von Kabine und Motorhaube in einem einzigen großen Spritzgussteil. Das beschleunigt den Bau einerseits beträchtlich, nimmt dem Modellbauer allerdings auch die Möglichkeit, Türen geöffnet zu zeigen.
Die Präzision, mit der sich die Teile zueinander fügen, ist beinahe schon verblüffend. So blieb diesmal Spachtelmasse komplett aus dem Spiel, versäubert oder verschliffen wurde ebenfalls nur minimal. Zu den Pluspunkten des Bausatzes gehört für mich ohne Zweifel die Darstellung der Reifen: ohne das Profil zu übertreiben wird hier jedes feine Detail wiedergegeben. Den ursprünglichen Gedanken, die Bausatzteile gegen Resin-Ersatz auszutauschen, habe ich daher rasch wieder verworfen. Lob gibt es überdies noch für die Beigabe einer Zugstange, mit der sich die Darstellung eines Flugzeugschlepps leicht umsetzen lässt.
Für mich als Flugzeugmodellbauer war der Hanomag „Gigant“ vor allem als Fotorequisit für Aufnahmen fertiggestellter Flugzeugmodelle interessant. So hat es mich umso mehr gefreut, dass der Bau dieser Zugmaschine nicht nur von der technischen und historischen Perspektive her unerwartet interessant ausgefallen ist, sondern auch im modellbautechnischen Sinn kurzweilige Freude bereiten konnte. Tamiya hat mich mit diesem schnellen und unaufwendig umzusetzenden thematischen Ausflug ins Reich der Räderfahrzeuge wieder einmal beeindrucken können!
Die beiden Ta-154 im Hintergrund wurden vor einigen Jahren aus den Formen von ProModeler/Dragon gebaut.
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer





