ICM 48284 - B-26С-50 Invader

Box & Bausatzinhalt
- stabile Klappdeckelschachtel mit hochglanzbedrucktem Stülpdeckel
- 11 graue Spritzrahmen mit 291 Teilen
- 2 transparenter Spritzrahmen mit 14 Teilen
- 1 Decalbogen
- 1 DIN A4 große schwarz/weiße Bau- und Lackieranleitung mit 24 Seiten
Vorwort:
„Last but not least“ kommt von Guido Veik nun der Blick in die Schachtel der vierten Variante, zu ICM´s neuer A/B-26. Worauf man bei diesem erstaunlichen Bausatz besonderes Augenmerk legen sollte, lesen Sie unten.
Vorbild / Historie:
Die Douglas A-26 Invader war ein zweimotoriger leichter Bomber aus US-amerikanischer Produktion, der in verschiedenen Versionen (unter anderem A-26, B-26, A-26A) sowohl im Zweiten Weltkrieg wie auch im Korea-, im Portugiesischen Kolonial-, im Vietnamkrieg sowie während der Kongo-Krise eingesetzt wurde. Der Erstflug der XA-26 fand am 10. Juli 1942 statt, die letzte Maschine wurde 1972 ausgemustert. Ungewöhnlich für die damalige Zeit war die Auslegung mit nur einem Piloten (also keine der damals üblichen Doppelsteuerungen) und mit ferngesteuerten MGs in zwei Türmen. Beeindruckend war die Anzahl der starren Rohrwaffen. Die Versionen mit unverglastem Rumpfbug trugen sechs, später acht 12,7mm-MGs in der Nase, in den Tragflächen konnten weitere sechs Waffen eingebaut werden. Wahlweise waren stattdessen auch acht Tragflächen-MGs in vier Doppelbehältern unter den Tragflächen möglich. somit konnte die maximale Bewaffnung sechzehn starre MGs und vier ferngesteuerte MGs betragen. Die Douglas Aircraft Company stellte 2503 Exemplare her. 1948 wurde die Bezeichnung von A-26 (A wie Attack = Angriff) auf B-26 (B wie Bomber) umgestellt, nachdem die letzten Martin B-26 Marauder ausgemustert wurden, mit denen dieses Flugzeug nichts zu tun hat. Im Vietnamkrieg wurde diese Bezeichnung aus politischen Gründen wieder von B-26 K in A-26 A umgeändert um die Maschine nicht als Bomber, sondern als Angriffsflugzeug zu deklarieren, und sie in Thailand mit der 609th SOS (Special Operations Squad) stationieren zu können. Damit wurden Angriffe auf Nachschubwege geflogen. Die ersten vollständig ausgerüsteten Bombergruppen in Europa waren die 416th und 409th Bombardement Group, die im November 1944 ihre ersten Einsätze flogen. Ihnen folgten Gruppen in Italien, und auch auf dem Kriegsschauplatz im Pazifik wurde das neue Modell Mitte 1944 eingeführt. Insgesamt flogen A-26 trotz ihres späten Erscheinens auf dem europäischen Kriegsschauplatz noch über 11.000 Einsätze. In Korea flogen die B-26 insgesamt 60.096 Einsätze. Dabei gingen 210 Flugzeuge verloren. Die Einsatzverluste beliefen sich auf 168 Flugzeuge, davon 56 durch Feindeinwirkung (zum größten Teil durch Bodenbeschuss). 41 fielen Unfällen zum Opfer, 71 Flugzeuge blieben vermisst. 283 Besatzungsmitglieder wurden getötet, 324 waren vermisst und 63 verwundet. Die Aufklärer RB-26/WB-26 flogen 11.944 Einsätze bei insgesamt 16 Verlusten, davon 7 im Einsatz. Die Personalverluste betrugen 4 Tote und 1 Verwundeter. Im Indochina krieg flogen die französischen Truppen ab 1951 72 B-26 und 8 RB-26, die von den USA im Rahmen des Mutual Defense Assistance Program geliefert wurden. Dabei gingen mindestens 24 Flugzeuge verloren, davon 13 im Kampfeinsatz. Am 30. Juni 1954 betrug der Flugzeugbestand 79 B-26 und 7 RB-26, sodass weitere Flugzeuge außerhalb des MDAP geliefert worden sein müssen (unter Berücksichtigung der Verluste mindestens 18 B-26). Bei der Invasion in der Schweinebucht flogen A/B-26 auf beiden Seiten, die USA verloren zwei. 1961 traten bei dem betagten Muster Flügelbrüche auf, und die Maschinen wurden zurückgezogen. Gleichzeitig beauftragte die Regierung die Firma On Mark Engineering damit, die B-26 zu modernisieren und mit verstärkter Struktur auszurüsten. Noch einmal kehrten A/B-26 nach Vietnam zurück. In Vietnam betrugen die Einsatzverluste 22 A-26 zwischen 1962 und 1969 mit 51 getöteten Besatzungsmitgliedern. Dort erwarb sich die Maschine einen Ruf als „Truck Killer“ und zerstörte auf den Nachschubrouten über 4000 LKW. Ende der 1960er-Jahre hatten fast alle Zellen ihre maximale Lebensdauer erreicht, und die A-26 verschwand 1971 aus den Arsenalen. Dennoch wurden einige Maschinen instandgesetzt und fungierten noch lange als Feuerlöschflugzeuge in Kanada oder auch als schnelle Geschäftsreiseflugzeuge vor der Einführung strahlgetriebener Muster. (Quelle: Wikipedia)
Der Bausatz
Wie nicht anders zu Erwarten ist, liefert ICM diese Version der Invader (B-26C-50) in der gleichen Aufmachung wie die ihrer Geschwister aus. Verflixt knapp sitzt der Stülpdeckel auf der eigentlichen Schachtel. Ein unbeabsichtigtes Herabfallen desselbigen ist so gut wie ausgeschlossen. Im schlichten schwarz gehalten, mit gelben Randspitzen der Flügel und gelben Cowlings versehen, verspricht die abgebildete Version dank ihrer roten Schriftzeichen ein doch eher seltenes Erscheinungsbild. Sicherlich trägt der vollflächig unübersehbare mittelblaue Kreis unterhalb der Pilotenverglasung, auf der linken Seite, dazu bei. Gerade wegen dieser optischen Gestaltung ist diese Version sehr interessant.
Ausgepackt und auf dem Tisch aufgereiht, präsentieren sich 11 Rahmen im ICM-typischen grau. Eine Tüte enthält beide separat eingepackte Glasrahmen. Aufbauend auf die Vorgängerversionen 48283 Douglas A-26С-15 Invader liegt hier ein Rahmen K in doppelter Ausführung bei. Sieben 12,7 cm HVAR (High Velocity Aircraft Rocket) samt einzelnen Finnen und ein nicht benötigtes Verkleidungsblech (ich denke da an kommende zivile Versionen) trägt der kleine Spritzgussrahmen. Dabei fallen mir die bis zu ca. 1,1mm starken Finnen auf. ICM hätte hier ohne großen Aufwand diese Leitbleche gut um die Hälfte dünner machen können. Gleichzusetzen sind die Leitbleche der 454 kg Bomben. Die ganze Art und Weise der dargebotenen Qualität des Bausatzes deckt sich zu fast hundert Prozent mit den bei Kitchecker bereits trefflichst beschriebenen Erkenntnissen. So sind die Sinkstellen an den beiden Motorverkleidungen an diesem Kit noch vorhanden, fallen aber nicht mehr so stark aus. Am Rumpf hingegen gibt es keine mehr. ICM hat hier anscheinend nachgebessert und das Abspritzen mit Polystyrol etwas nachjustiert. Ich behaupte das einmal, da wir in Gesprächen mit ICM von Ihnen immer wieder berichtet bekommen, das Sie die Reviews aufmerksam lesen und Kritik sehr ernst nehmen. Eine von vielen positiven Eigenschaften dieser ukrainischen Firma.
Hinweisen der Redaktion zu folge solle ich die Passgenauigkeit der für diese Bomberversion verglasten Bugkanzel in Augenschein nehmen. Bauteil H1-2 und H1-3 ergeben mit dem Teil H1-1 die Bugsektion ohne Glasteile wieder. (In der Bauanleitung wird Bauteil H1-5, die Sitzkonsole, als Teil
H1-6 fälschlicher Weise bezeichnet.) Ohne Passstifte lassen sie sich etwas knifflig zusammenführen, passen aber sehr gut zu einander. Das untere Glasteil G1-2 passt geradezu perfekt. Glasteil G1-1 ist an den Ecken gut einen halben Millimeter aufzuweiten, um einen einwandfreien Anschluss an die übrigen Teile zu ermöglichen. Solch kleinen Ungenauigkeiten nehme ich keinem Hersteller übel. Ein bisschen „basteln“ gehört schließlich dazu.
Dieses Mal gibt ICM ein Buggewicht von je 100g an, die jeweils hinter den beiden Schottwänden der Motoren unterzubringen sind.
Als Außenlast darf man zwischen den oben beschriebenen HVAR´s, 75 US Gallonen Außentanks oder den 454 kg Bomben wählen. Sofern die auf Seite 22 abgebildeten Schneideschablonen der Kanzelverglasung die richtige Form und Größe haben, begrüße ich diese Hilfestellung sehr. Ein genaues Ausschneiden vorausgesetzt, habe ich bisher keinerlei Probleme beim maskieren der Glasteile oder dergleichen mehr gehabt. Sicher hat hier jeder Modellbauer seine eigene Erfahrung und Meinung dazu.
Bei genauerer Betrachtung stellt man ein ganz neues Level an Detaillierung im Innenraum bei diesem Modell fest. Auf der Qualitätsseite erhält man den üblichen und sehr guten Formenbau aus dem Hause ICM, modernste CAD generierte Duraluminium-Formen liefern das Werkzeug für die gefälligen Spritzrahmen. Die Oberflächen sind leicht „rau“, oder besser gesagt „matt“ gehalten, Grate, größere Formtrennlinien und Häutchenbildung sucht man vergebens. So sind auch die Steuerflächen separat ausgeführt und ermöglichen somit ein angelenktes Anbauen und ein dynamischeres Gesamtbild des Modells. Angesichts einer in der Regel „clean“ abgestellten Maschine, kommt diese Option eher dem Freund von Dioramen entgegen als dem der abgestellten Maschinen. Wer den Bombenschacht geschlossen halten möchte, der wird mit einem eigenem Gesamtteil bedient. Ein umständliches Anpassen und den Spalt vermeidendes Ankleben der beiden Schachtklappen entfällt somit. Für die Fahrwerksklappen hat sich ICM eine Kombination aus Schachtverkleidung mit fest angebauten Klappen einfallen lassen. Der Vorteil liegt auf der Hand, man hat somit garantiert den richtigen Öffnungswinkel. Allerdings erschweren diese bereits angebauten Klappen das Lackieren…
Der ambitionierte Modellbauer wird sich sicherlich der Räder und der cal.50 Bugbewaffnung annehmen wollen. Die cal.50 MG-Läufe sind zu ersetzen. Mit einem „ovalen Maß“ von 1,15 mm zu 1,39 mm fehlt es um fast 25 hundertstel zum Kreis! Diese Differenz ist schwer auszugleichen.
Nicht das die Reifen schlecht wären, nur eben nicht abgeflacht. Hier lohnt sich evtl. auch der Einsatz von inzwischen erhältlichen, fein detaillierten Resinteilen oder im Fall der Bugbewaffnung als Ausführungen in Messing von z.B. Master (Polen). Nochmal zurück zu den Rädern, diese sind aufgeteilt in jeweils zwei Felgen- und Reifenteile. Die feinen Details beider können sich wirklich sehen lassen, wobei durch das Verschleifen der zusammengeklebten Reifen sicherlich das typische „Diamond“-Muster leiden wird. Interessant ist auch die Umsetzung des Fahrwerks mit den separat anzubauenden Fahrwerkscheren. Es kann später, also nach dem Lackieren in die Schächte als Ganzes eingesetzt werden. Ein weiteres Highlight sind die beiden Pratt & Whitney R-2800-71-Double-Wasp oder – 27 /-79 Sternmotoren. Mit satten 26 fein detaillierten Teilen pro Motor fehlt eigentlich nur das Zündgeschirr für einen originalgetreuen Einblick von vorne. Ein paar Worte möchte ich noch zu den Motoren, im besonderen Fall zum hier verwendeten Pratt & Whitney R-2800 Double-Wasp schreiben. Es ist allen Herstellern von Modellen dieses Motors so gut wie unmöglich, die Kühlrippen im Modell 1 zu 1 darzustellen. Im Original wurden diese Rippen von einer Spezialsäge aus dem vollen Zylinderkopf gesägt. Eine außergewöhnliche Fertigungskunst. Ein maßstäbliches Andeuten dieser allerfeinsten Kühlrippen geht für mich bei allen Herstellern voll in Ordnung. Auch ICM steht hier in nichts nach und offeriert einen toll gemachten Pratt & Whitney R-2800 Double-Wasp Motor der 2000 – 2800 PS Klasse!
Beim Cockpit haben wir mit überschaubaren 14 Teilen zwar nicht die große Fülle, aber auch hier zeigt ICM ein Händchen für Realismus. Decalelemente für die Instrumente sind vorhanden, die des großartigen Einblicks zwingend notwendigen Sitzgurte muss man aber selbst erstellen oder vom bekannten Zurüster beziehen. Wie bereits weiter oben geschrieben, sind die tollen Innenstrukturen eines der Highlights des Kits. Egal ob in den Fahrwerkschächten, dem Rumpf oder im Bombenschacht, alles wurde sehr akkurat umgesetzt.
Bauanleitung
Die Bauanleitung der Invader ist in puncto Übersichtlichkeit und Abbildungsgröße vorbildlich umgesetzt. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die diversen zu bohrenden Löcher und die Farbhinweise des Interieurs. Farbcodes sind im System der ICM Kooperationspartner Tamiya und Revell aufgeführt. Zur Lackierung liefern die letzten beiden Seite farbige 3-Seiten Ansicht.
Markierungsoptionen:
- B-26C-45DL, 8th BS, 3d BG, Korea, 1953
- B-26C-55DL, 729th BS, 452d BG, Korea, 1951
- B-26C-45DT, 728th BS, 452d BG, Korea, 1951
Bauanleitung in Auszügen:
Decalbogen
Gleichzusetzten mit dem eigentlichen Bausatz sind die Wasserschiebebilder. Scharf, versatzfrei, mit dünnem Träger, farbecht, richtig geschrieben und perfekt im Raster gedruckt, lassen sie keine Wünsche offen.
Modelldetails
Bildquelle: ICM
Fazit
ICM hat, was die Sinkstellen am Rumpf betrifft, schnell reagiert und diese ausgemerzt. Die leicht vorhandenen Sinkstellen an den Motorcowlings sind mit Spachtelmasse ruck zuck ausgeglichen, sollten aber auch produktionstechnisch zu eliminieren sein. Einziger Schwachpunkt sind die ovalen MG-Läufe, die ersetzt werden müssen.
Lange mussten wir Modellbauer auf eine zeitgemäße „Invader“ in 1/48 warten… …und es hat sich definitiv gelohnt! Mit einer phantastischen Arbeit der ICM Designabteilung präsentiert sich ein Bausatz mit WOW-Charakter! Die deutlich in die Jahre gekommenen und noch mit erhabenen Gravuren ausgestatteten Monogram-Kits, die auch unter Pro-Modeler und Revell vertrieben wurden, haben nun ausgedient.
Diesen sehr empfehlenswerten Bausatz erhalten sie im gut sortierten Fachhandel.
Guido Veik
(Oktober 2020)
