ICM DS3509 - Wehrmacht Radio Trucks 1/35

Box & Bausatzinhalt
- stabile Klappdeckelschachtel mit hochglanzbedrucktem Stülpdeckel
- 16 graue Spritzrahmen mit 621 zu verwendenden Teilen
- 2 Klarsichtrahmen mit 32 zu verwendenden Teilen
- 2 Decalbögen
- 2 jeweils 12-seitige, s/w Bau- und Lackieranleitung
Vorwort
Der in 2019 eingeführten Strategie an Dioramen-Set konsequent folgend, brachte ICM vor kurzem zwei „alte“ Bekannte gemeinsam zurück in die Händlerregale. Mit nur wenigen Unterschieden präsentieren sich der Henschel und Krupp LKW mit Funkkofferaufbau.
Vorbild / Historie:
Die von den Siegermächten, nach dem ersten Weltkrieg, wieder zugelassene Reichswehr war, was den Fahrzeugbestand betraf, weitestgehend auf „Zivilisten“ angewiesen. Dies waren also Fahrzeuge, die von leicht modifizierten Zivilfahrzeugen abstammten. Ab Mitte der 1920er Jahre galt es dies nun zu ändern.
1926 forderte die Reichswehr die Entwicklung eines geländegängigen Sechsrad-LKW´s, und wurde so auf die Firma Krupp aufmerksam, da Krupp mit dem L4 (4t) bereits ein Fahrgestell für den zivilen Markt entwickelt hatte. Durch Modifikationen konnte das erste Versuchsfahrzeug unter der Bezeichnung L 3 H 63 (3,5t) bereits 1929 in die Erprobung gehen. Durch Verbesserung des Getriebes, einem stärkeren Motor, und verbesserter Aufhängung, wurde aus dem L 3 H 63 der L 3 H 163. Obwohl sich beide Ausführungen gut bewährten, wurden zwischen 1928 und 1938 nur insgesamt etwa 2.870 hergestellt.
Die Variante L 3 H 163 wurde von 1936 bis 1938 in verschiedenen Ausführungen produziert, als reiner LKW, mit Kofferaufbau, oder als Funkwagen (Kfz 72).
Der Henschel Typ 33 D1 ist ebenfalls ein geländegängiger Dreiachs-LKW, mit einer Nutzlast von 3t und wurde 1928 an die Reichswehr ausgeliefert.
1934 flossen einige Veränderung in die Produktion ein, so z.B. ein längerer Radstand zwischen erster und zweiter Achse.
Neben Henschel musste ab 1937 Magirus den Typ 33 in Lizenz fertigen. Das Modell D1 wurde bis 1943 gefertigt und mit über 11.000 Einheiten aller Modelle, war der Typ 33 das meistgebaute Fahrzeug dieser Klasse. Dem entsprechend gibt es auch viele Spezialvarianten des Typ 33, darunter auch das Kfz.72 mit Funkkofferaufbau.
Der Bausatz
Unter dem Titel “Wehrmacht Radio Trucks” bietet ICM wieder eine Combo aus bereits im Handel erhältlichen Einzelbausätzen an. In diesem Fall den Krupp L3H163 Kfz.72 und den Henschel 33 D1 Kfz.72, in der Ausführung mit Funkkoffer-Aufbau.
Gleich vorab, sei gesagt, dass beide Modelle auf dem gleichen Level sind, was Qualität und Ausführung angeht, deshalb beziehen sich die Beschreibungen auf beide Modelle gleichermaßen.
Auf den insgesamt 16 grauen und 2 klaren Spritzrahmen sind die Teile für den Bau beider Fahrzeuge verteilt, wovon aber etliche Bauteile keine Verwendung finden, da sie für andere Versionen dieser LKW´s benötigt werden. Die Klarsichtteile machen einen hervorragenden Eindruck. Sie zeichnen sich durch hohe Transparenz und Schlierenfreiheit aus. Die grauen Bauteile sind sehr fein und detailliert wiedergegeben. Der Spritzguss ist sauber und verzugfrei, nur an den Reifen und den Trilexfelden sind Gussgrate zu sehen.
Die Motoren und die Fahrzeugrahmen weisen sehr viele, leider später wieder fast unsichtbare Details auf. Da möchte man das Modell am liebsten auf´s Dach legen, oder ein Schnittmodell daraus machen. Die Gestänge und Halterungen des Fahrwerks, sind sehr filigran, was eine erhöhte Bruchgefahr beim Heraustrennen darstellt, und auch bei den teils sehr kleinen Bauteilen könnte sich das Teppichmonster wieder freuen.
Fahrerhaus und Kofferaufbau sind beim Original aus Holz aufgebaut, was schön wiedergegeben wurde, und selbst die Holzleistenbefestigungen wurden nicht vergessen, ebenso wenig wie die geriffelten Böden der Fahrerkabinen. Die großen Flächen des Kofferaufbaus zeigen keinerlei Dellen oder Sinkstellen, sie sind einwandfrei eben. Die Kühlergrills beider LKW´s sind eine Augenweide, besonders der Henschel-Schriftzug, was den sehr schönen Eindruck weiter unterstreicht.
Ich denke, dass diese Fahrzeuge, aufgrund ihrer filigranen Auslegung, nicht unbedingt in Anfängerhände gehören, sondern schon etwas Erfahrung voraussetzen.
Leider gibt es (für mich) ein großes Manko, denn beide Modelle besitzen im großen Kofferaufbau keinerlei Inneneinrichtung, so dass man die Türen geschlossen darstellen sollte, obwohl sie separat beiliegen. Einige Tische, Ablagen, Schränke und Funkgeräte würden den Fahrzeugen nicht schlecht zu Gesicht stehen. Hier könnte ICM vielleicht mit einem Bausatz einer separaten Innenausstattung Abhilfe schaffen. Das “know how” zu den Gerätschaften hat ICM auf alle Fälle, wie es z.B. die Funkanlage des ICM-Kits zum Kfz.2 zeigt.
Decalbogen
Die zwei kleinen Decalbögen sind sauber gedruckt, und geben Nummernschilder, taktische Kennzeichen, Instrumente und technische Angaben, leserlich und scharf gedruckt wieder.
Bauanleitung
Mit zwei A-4 Blättern zum A-5 Format gefaltet, stellt die ohne Farbe gedruckte Bau- und Die Bauanleitugen sind klar und verständlich gestaltet, so dass keine Frustration beim Bau aufkommen sollte. Dem Alter entsprechend sind sie komplett in s/w gehalten. Dies betrifft auch die Lackiervorschläge, was heute nicht mehr ganz dem Stand entspricht. Die Anleitungen wurden direkt von den Einzelbausätzen übernommen. Jedes Fahrzeug hat zwei Lackiervarianten, diese sind aber durch den frühen Einsatzzeitraum leider nur “graue Mäuse”.
Fazit
Alles in allem halten wir zwei tolle und detaillierte Bausätze in Händen. Bis auf die fehlende Inneneinrichtung machen sie einen sehr guten Eindruck und bereiten bestimmt viel Bastelspaß.
Mir erschließt sich allerdings der Grund dieses Sets nicht so ganz. Wer, außer Enthusiasten, braucht zwei fast identische Fahrzeuge im Bestand. Nur der günstigere Preis, gegenüber den Einzelbausätzen, wird für viele wohl kein ausreichender Grund sein.
Die beiden Bausätze an sich kann ich aber dennoch wirklich sehr empfehlen; erhältlich im gut sortierten Fachhandel.
Happy Modelling,
Joachim Weidinger,
Juni 2020
