Übersicht
Artikelbezeichnung: L-4 Grasshopper
„From Africa to Central Europe“
Maßstab: 1/48
Hersteller: Special Hobby
Material: Spritzguss, 3D gedruckte Teile, Fotoätzteile, Acetatfilm, Decals
Preis: ca. € 21,–
Artikelnummer: SH48218
Produktlink: L-4 Grasshopper
Download: Bauanleitung
Einleitung
Sie ist brandneu, die Piper L-4 Grasshopper im Maßstab 1/48 von Special Hobby aus Prag. Die Tschechen haben sich zum Ziel gesetzt, dieses Flugzeug – von dem immerhin etwa 5.800 Stück in der militärischen Version gebaut wurden – vor den Vorhang zu holen und dessen Mauerblümchendasein im Modellbau zu beenden. Sehr erfreulich!
Piper L-4 Grasshopper


Box & Inhalt
Das sehr ansprechend gestaltete Deckelbild des blau-weiß-grauen Stülpkartons (diese Farben stehen bei Special Hobby für den Maßstab 1/48) zeigt eine Grasshopper, die während der Operation Torch – also der Landung der Alliierten in Nordafrika – den Flugzeugträger USS Ranger überfliegt. Der Inhalt des praktischen und stabilen Stülpkartons setzt sich wie folgt zusammen:
2 Spritzgussrahmen in grauem Kunststoff mit 79 Teilen
1 Rahmen mit 6 transparenten Teilen
1 3D gedrucktes Teil
1 Fotoätzteilplatine mit 18 Teilen
1 Acetatfolie
2 Decalbögen
16-seitige, farbige Bau- und Bemalungsanleitung
1 A-4 Blatt mit Korrekturangaben
Geschichte des Originals
Die Piper J-3 Cub ist ein einmotoriges, zweisitziges Leichtflugzeug des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Piper Aircraft Corporation, von dem von 1938 bis 1947 20.057 Exemplare hergestellt wurden. Darunter waren auch etwa 5.800 militärische Verbindungsflugzeuge mit den Bezeichnungen L-4, O-59 und UC-83.
Die Piper L-4 oder auch Piper O-59 Grasshopper ist ein für militärische Zwecke modifizierte Variante der Piper J-3 und gilt als der am weitesten verbreitete Typ der „L“-Flugzeuge. Das Präfix „L“ (Abkürzung für „Liaison“) war bei der USAAF die Kennzeichnung für leichte Verbindungs- und Aufklärungsmaschinen.
Die L-4 wurde im Zweiten Weltkrieg u. a. als Kurier-, Erkundungs- und Beobachtungsflugzeug eingesetzt; außerdem wurde sie zum Abwurf von Rauchbomben und zum Verlegen von Fernmeldekabeln verwendet. Zu diesem Zwecke erhielt dieses Baumuster im Vergleich zur Piper J-3 größere Fenster an den Seiten und über den Sitzen, um die Sicht vor allem nach hinten zu verbessern. Mit Hilfe des Brodie-Systems konnte die L-4 zudem als Aufklärungsflugzeug von Bord kleinerer Schiffe eingesetzt werden. (Quelle: Wikipedia)
Die ersten drei Fotos zeigen eine Grasshopper, die im Airborne Museum Sainte-Mère-Église ausgestellt ist.
Bausatz & Teile
Wie schon erwähnt, hat Special Hobby keine Kosten und Mühen gescheut und die Spritzgussformen für die Grasshopper völlig neu konstruiert, um damit eine zeitgemäße L-4 im beliebten 48er Maßstab bauen zu können. Von den 79 Teilen auf den beiden Rahmen werden 11 nicht benötigt, sie dienen für andere Versionen, die in Zukunft auf den Markt gebracht werden.
Die Hauptkomponenten, also Rumpf, Tragfläche und Leitwerk, sind sehr gut gemacht, die Struktur der Stoffbespannung ist überzeugend wiedergegeben. Es sind auch bereits schöne Details angebracht, wie z.B. auf der Unterseite der Flügel, oder Nietenreihen an der Motorverkleidung. Bei den Großbauteilen sind weder Fischhaut, noch übermäßiger Gussgrat oder Sinkstellen zu erkennen. Die Auswurfpins sind so gesetzt, dass sie nach dem Zusammenbau nicht mehr sichtbar sein werden. Alle Ruder sind angegossen, vor allem das Seitenleitwerk kann aber relativ einfach abgetrennt und in ausgelenkter Stellung wieder angebaut werden.
Auch die Kleinteile sind akkurat und scharfkantig gespritzt, obwohl hier vor allem bei dem Gestänge etwas Gussgrat entfernt werden muss. Der Vier-Zylinder-Motor sieht richtig gut aus, trotzdem hat Special Hobby bereits angekündigt, demnächst einen noch detaillierteren Antrieb aus Resin anzubieten. Für den Motor wird auf der Unterseite der Cowling auch das 3D gedruckte Teil verwendet.
Im Cockpit tut sich einiges: Auf die bereits gut detaillierte Bodenplatte werden die Sitze des Piloten und des Beobachters angebracht und mittels Fotoätzteilen deren Gurte dargestellt. Natürlich kommen noch die Ruderpedale, die Steuerhebel, ein Feuerlöscher und ein Funkgerät dazu. Das spartanische Instrumentenbrett der Grasshopper wird entweder mit einem Decal, oder dem Acetatfilm und einem PE-Teil dargestellt.
Herausfordernd dürfte der Zusammenbau der Kanzel mit ihren vielen „Glasflächen“ werden. Ich hatte schon einmal das Vergnügen mit einer L-4 von Bronco in 1/35 – es war die Hölle. Special Hobby scheint das aber mit einem schrittweisen Aufbau besser gelöst zu haben – man wird sehen. Der Bausatz bietet sogar die Option, die Einstiegsluke geöffnet darzustellen, um so einen besseren Blick ins Cockpit werfen zu können. Die transparenten Teile für die „Glasflächen“ der Kanzel sind übrigens das Beste, was ich je von Special Hobby gesehen habe – und auch im Vergleich mit vielen anderen Herstellern sind sie absolut top.
Die Anbringung und der korrekte Sitz der Tragfläche wird durch einen Holm erleichtert, auch hier haben die Konstrukteure des Kits mitgedacht. Toll finde ich weiters, dass die exakte Positionierung der außen liegenden Steuerseile und der Verspannungsdrähte am Leitwerk genau im Bauplan eingezeichnet ist. Auch auf die Umlenkrollen an den Stützstreben wurde nicht vergessen. Ein paar sehr feine PE-Teile ergänzen noch die Detaillierung im Außenbereich.
Bauanleitung, Decals & Markierungsmöglichkeiten
Die Bauanleitung ist typisch für Special Hobby durchgehend farbig gestaltet, übersichtlich und exakt gezeichnet. Bei allen Kleinteilen ist angegeben, wie sie bemalt werden sollten, wobei sich die Farbangaben auf die Palette von Gunze beziehen.
Alle vier Markierungsoptionen sind jeweils als Vier-Seiten-Risszeichnung dargestellt, bei der Lackierung und der Anbringung der Decals sollten also keine Fragen offenbleiben. Es werden auch kurze Infos zu den darstellbaren Originalen angegeben. Achtung: für die Markierungsoption A liegt ein Korrekturblatt bei, hier wurde in der ursprünglichen Lackierungsanleitung die Unter- und Oberseite der Tragfläche falsch dargestellt.
Die beiden Decalbögen wurden exakt im Register gedruckt, allerdings wirkt die blaue Farbe innerhalb der Hoheitszeichen etwas verwaschen, was aber am fertigen Modell einen durchaus interessanten, leichten Verwitterungseffekt ergeben könnte. Und der Überstand des Trägerfilms könnte noch einen Tick kleiner sein. Folgende vier Markierungsmöglichkeiten stehen zur Auswahl:
Piper L-4A-P, 42-36389 „Elisabeth“, Nordafrika, Herbst 1942
Piper L-4B, FA3671 (43-671), BA „Janey“, Italien, Dezember 1943
Piper L-4H, 43-29635, 59-Y, Paris, August 1944
Piper L-4H, 43-29488, E-25, Tschechoslowakei, Mai 1945
Zubehör
Wie heutzutage üblich, bietet Special Hobby für seine Grasshopper einiges an Zubehör an, das man sich gesondert je nach Bedarf zulegen kann. Absolut empfehlenswert sind meiner Meinung die Masken mit der Artikel-Nr. M48007 mit denen die vielen „Glasflächen“ der Kanzel innen UND außen, sowie die Räder abgedeckt werden können. Ein Plan zeigt, wo die jeweiligen Masken angebracht werden müssen, danach kann schon mit der Airbrush lackiert werden. Man erzielt so exakt vom „Glas“ bzw. vom „Gummi“ abgegrenzte Kanzelstreben und Felgen. Bei einem Preis von ca. 7,– Euro lohnt sich die Anschaffung dieser enormen Arbeitserleichterung mit Sicherheit.
Unter der Artikel-Nr. 4452 kann man sich Hauptfahrwerks-Räder aus Resin von CMK (Czech Master’s Kits) zulegen, einem Tochterunternehmen von Special Hobby. Die Detaillierung der beiden Resinteile ist um einiges besser, als die der Bausatzteile. Sie weisen ein sehr schönes Profil auf, sind bereits abgeflacht und sind einteilig ausgeführt, müssen also nicht mehr zusammengeklebt werden, was eine eventuelle unschöne Klebenaht von vornherein vermeidet. Der Preis für dieses Set liegt bei ca. 5,– Euro.
Fazit
Endlich gibt es eine zeitgemäße Piper L-4 Grasshopper im Maßstab 1/48 – Special Hobby sei Dank! Der aktuelle Bausatz ist mit sauber hergestellten Kunststoff- und Fotoätzteilen sowie vier Markierungsoptionen gut ausgestattet. Von mir gibt es dafür eine klare Kaufempfehlung. Und wir dürfen uns auf noch mehr Pipers freuen, der Hersteller plant schon die nächste Ausgabe, die den Titel „L-4 Cub, European Cubs in Post-War Service“ haben wird.
Stefan Fraundorfer, August 2022