Übersicht
Artikelbezeichnung: MiG-25 BM
Soviet Strike Aircraft
Maßstab: 1/48
Hersteller: ICM
Material: Spritzguss, Decals
Preis: UVP € 59,99
Artikelnummer: 48905
Produktlink: MiG-25BM
Vertrieb: Glow2B
Einleitung
Der ukrainische Hersteller ICM brachte 2016 seine erste MiG-25 im 48er Maßstab auf den Markt. Der Bausatz dürfte sich gut verkaufen, denn aktuell läuft bereits die 5. Variante vom Band. Nach den Versionen RBT, RB, PD und RBF ist jetzt die BM an der Reihe. Dass ICM’s Foxbat bereits von Revell und Hasegawa unter deren eigenen Markennamen aufgelegt wurde, sagt einiges über die Qualität dieses Kits aus.
Mikojan-Gurewitsch MiG-25BM


Box & Inhalt
Wie bei ICM üblich, umhüllt ein dünnwandiger Hochglanzstülpdeckel eine praktische, stabile und wiederverschließbare Klappdeckelschachtel. Alle Spritzgussrahmen, mit Ausnahme der Klarsichtteile, sind gemeinsam in einem einzigen Kunststoffbeutel verpackt. Das gut gemachte Deckelbild zeigt eine russische Foxbat im rasanten Tiefflug. Das fertige Modell wird eine Länge von 47,3 cm und eine Flügelspannweite von 28,3 cm aufweisen – das ist schon ein ordentliches Gerät.
10 Spritzgussrahmen in grauem Kunststoff mit 192 Teilen
1 Rahmen mit 10 Klarsichtteilen
2 Decalbögen
24-seitige Bau- und Bemalungsanleitung im Format A4
Geschichte des Originals
Anfang der 1960er-Jahre wurden in der Sowjetunion auf Basis der Mikojan-Gurewitsch Je-166 erste Untersuchungen angestellt, wie einer vermuteten Bedrohung durch US-Überschallbomber wie der Convair B-58 und vor allem der Mach-3-schnellen Lockheed A-12 begegnet werden könnte. Ausgeschrieben wurde ein Mach-3-schnelles Jagdflugzeug, das ebenso schnelle Luftziele in Flughöhen bis zu 25.000 Metern abfangen können sollte. Der Hauptzweck der darauf in Entwicklung gegangenen MiG-25 sollte aber schließlich sein, das Mach-3-Aufklärungsflugzeug Lockheed A-12 abzufangen, von dessen Bau das sowjetische Militär 1960 erfahren hatte.
Der offizielle Programmstart für Voruntersuchungen war der 10. März 1961. Die Einsatzdoktrin beruhte auf der Erkennung des Ziels durch ein leistungsfähiges Radarsystem und der Bekämpfung mit eigens hierfür entwickelten weitreichenden Luft-Luft-Raketen vom Typ Wympel R-40 (Natobezeichnung AA-6 „Acrid“), wobei klassische Luftkämpfe nicht vorgesehen waren. Noch im selben Jahr fiel die Entscheidung, die Maschine im Wesentlichen als geschweißte Konstruktion herzustellen, die hauptsächlich aus kriechfestem, rostfreiem Nickelstahl bestehen sollte.
Die Variante BM diente der Unterdrückung feindlicher Luftabwehrstellungen und wurde ab 1972 auf Basis der bewaffneten Aufklärervariante MiG-25RB entwickelt. Der Bug wurde um 720 mm verlängert und das ELINT-System speziell auf die Erkennung der Abstrahlungen von Boden-Luft-Stellungen eingerichtet. Auch die ECM-Maßnahmen wurden für diesen Einsatz geändert. Die neue Avionik erforderte auch Änderungen im Cockpit. Die Reichweite wurde durch einen 5800-Liter-Tank unter dem Rumpf und die Möglichkeit zur Luftbetankung vergrößert. Dazu wurden auch zusätzliche Antennen am Bug und an den äußeren Außenlaststationen angebracht. Als Abstandsbewaffnung konnten vier Ch-58 (NATO-Bezeichnung: AS-11 Kilter) mitgeführt werden. Sie ermöglichten eine Bekämpfung von Boden-Luft-Abwehrstellungen aus einer Entfernung von bis zu 120 Kilometern. Von der MiG-25BM wurden zwischen 1982 und 1985 40 Exemplare gebaut. Die NATO-Bezeichnung lautete Foxbat-F. (Quelle Text und Foto: Wikipedia)
Bausatz & Teile
Weiß man um die Abmessungen des fertigen Modells, oder kennt den vor einigen Jahren erschienenen und vor Teilen strotzenden Kitty Hawk Kit, so ist man durchaus verblüfft über die relativ kleine Schachtel. ICM hat den Bausatz also im Gegensatz zum oben genannten Mitbewerber in deutlich zeitsparenderen Baugruppen geschaffen. Bei genauer Betrachtung der Spritzrahmen kommt man durchaus ins Schwärmen. Mit der gebotenen Oberflächengüte und Detaillierung kann ICM seit der Umstellung auf modernste Produktionsverfahren vor einigen Jahren definitiv überzeugen. Grate, Häutchen und dominierende Trennlinien sucht man vergebens.
Lediglich in Punkto Druck und Temperatur der Spritzgussmaschine wäre noch etwas Feinjustierung erforderlich gewesen. So müssen einige Sinkstellen, beidseitig am Rumpfrückenteil zu den Tragflächenwurzeln hin, verspachtelt werden. Dies sind aber auch die einzigen feststellbaren Sinkstellen und sind im Handumdrehen bereinigt. Alles Andere erscheint qualitativ sehr hochwertig und auch Trockenpassungen können überzeugen. Die meisten anderen Quellen sprechen ebenfalls von einer guten bis sehr guten Passgenauigkeit.
Eine wahre Augenweide ist die Oberflächengestaltung des Kits. Egal ob Rumpf oder Tragflächen, bis hin zu den übergroßen Triebwerksauslässen, welche die markanten Elemente der MiG-25 darstellen. Alles ist akkurat mit scharfkantigen Details, wie bei den Blechstößen, Nietenreihen, Wartungsklappen etc. wiedergegeben. Eine Aufwertung in Eigenregie könnten allerdings die weniger detaillierten Fahrwerksschächte und die Fahrwerksbeine vertragen. Kabel und Leitungen wurde hier leider nicht berücksichtigt. Nochmals zurück zu den Triebwerken, diese würde ich in Bezug auf die Detaillierung als “gut” bezeichnen. Sicherlich wird sich der Zubehörmarkt darum weiter kümmern wollen.
Zu den Fahrwerken gehören natürlich auch die Räder. Diese sind an sich wieder hervorragend umgesetzt und mit feinsten Details versehen, nur die Abflachung bei Belastung fehlt. Gehen wir nun zum vorderen Teil des Kits und sehen uns das Cockpit an. Die seitlichen Konsolen machen einen sehr guten Eindruck, können mit der Trockenmal-Methode bearbeitet definitiv überzeugen. Akzeptabel ist auch der Schleudersitz – wie üblich bei ICM-Basisbausätzen sollte das Gurtmaterial ergänzt werden. Die Anzeigen des Instrumentenbretts können mit einem Decal dargestellt werden, worauf die Bauanleitung aber nicht eingeht. Um einen Tailsitter zu vermeiden, liefert ICM im Bauplan eine genaue Angabe für ein Buggewicht in der Flugzeugnase.
Die Klarsichteile sind hoch transparent und schlierenfrei gespritzt. Die Kabinenhaube kann geöffnet, oder geschlossen angebracht werden. Die Seiten- und Querruder, sowie die Landeklappen liegen gesondert bei und können somit relativ einfach in ausgelenkter Stellung angebaut werden. An Außenlasten können ein mächtiger Zusatztank und vier Anti-Radar-Raketen an den dafür vorgesehenen Startschienen angebracht werden.
Bauanleitung, Decals & Markierungsmöglichkeiten
Die Bauanleitung im schwarz/weiß/roten Design ist übersichtlich und verständlich aufgebaut, sowie exakt gezeichnet und führt in 106 Abschnitten zum fertigen Modell. Dabei ist kein Bauabschnitt überladen. Bei den meisten Teilen des Innenraums, der Fahrwerkschächte und der Triebwerke ist angegeben, wie sie lackiert werden sollten. Als Farbreferenz verweist ICM auf die Angebote von Revell und Tamiya. Damit ihr euch einen Eindruck über die Bauanleitung machen könnt, habe ich weiter unten ein paar Seiten abgebildet.
Zur Lackierung und dem Anbringen der Nassschiebebilder liefern die jeweils letzten Seiten farbige Drei-Seiten Ansichten. Leider fehlt hier je eine Ansicht von unten. Zur korrekten Lackierung ist also etwas Recherche im Internet ratsam. Der Zusatztank ist übrigens in allen Fällen in Naturmetall gehalten. Der Stencil-Plan wirkt im ersten Moment verwirrend aufgrund der schier erdrückenden Menge. Jeweilige Pfeile geben aber dennoch die exakte Position an.
Die beiden Decalbögen sind sauber und gestochen scharf gedruckt. Die Nassschiebebilder ermöglichen zwei Markierungsoptionen der Sowjetischen Luftwaffe:
MiG-25BM, Lipetsk Combat and Conversion Training Centre
MiG-25BM, Sowjetische Luftwaffe, 1984
Fazit
ICM liefert mit der MiG-25BM, unter Berücksichtigung der kleinen Mängel, zweifelsohne einen gut umgesetzten und empfehlenswerten Basis-Kit ab. Der ICM-Bausatz ist, was die korrekten Proportionen betrifft, auf alle Fälle dem von Kitty Hawk vorzuziehen! Für alle Detailverliebten bietet der Zubehörmarkt schon etliche Fotoätz- und Resinteile an.
Stefan Fraundorfer, Juli 2020