© Thomas Schneider  originalundmodell.de  2014    V1.12
©   kitchecker.com 2018
Diese Seite beinhaltet folgende Themen: Aktuelle Luftfahrzeuge Museumsexponate Kurioses für den Modellbauer Im Detail (walk arround)
Modelle & Dioramen
Great Wall Hobby , 1/48 Ein Beitrag von Christian Ristits Liebe Modellbaufreunde! Viele   fragen   sich   wahrscheinlich,   warum   man   als   Modell- bauer   noch   zusätzlich   zur   knapp   verfügbaren   Hobby-Zeit Auftragsarbeiten   durchführt.   Nun,   zum   einen   bin   ich   froh wenn   ein   Modell   aus   Platzgründen   nach   einigen   Wochen gleich   an   seinen   neuen   Besitzer   geht,   hauptsächlich   geht es   mir   jedoch   um   die   Freude,   die   man   Sammlern   machen kann,   wenn   sie   dann   das   fertige   Modell   endlich   in   Händen halten.   Natürlich   muss   mich   das   Projekt   auch   ansprechen, das    "Topic"    muss    sozusagen    interessant    sein    und    die Chemie mit dem Auftraggeber sollte ebenfalls stimmen. So   trat   im   Sommer   ein   Sammler   aus   Wien   an   mich   heran, ob   ich   ihm   eine   MiG-29   "early"   im   Standard   Camouflage Schema   bauen   könnte.   Der   Kontakt   war   von   Anfang   an nett    und    wertschätzend,    eine    MiG-29    fehlte    noch    in meinem    Repertoire,    und    so    war    der    Bau    rasch    be- schlossen   und   konkretisiert.   Als   Bausatz   kam   für   uns   nur der    von    Great    Wall    Hobby    in    Frage.    Dieser    sollte    laut Recherche eine Referenz für die MiG-29 in 1:48 darstellen.
Modell - Journal
kitchecker
www.ristits.at
Auf   Aftermarket-Parts   wollten   wir   verzichten,   da   der   Bausatz   wohl   schon   einiges   an   tollen Details   enthielt.   So   war   es   dann   auch   und   wir   wurden   nicht   enttäuscht.   Die   Schachtel   kommt gut   gefüllt   mit   einem   kleinen   PE-Set,   einem   Decal-Bogen   für   3   Varianten   (es   sollte   die   Orange 07   werden),   und   natürlich   zahlreichen   gut   detaillierten   Plastikteilen.   Zusätzlich   legt   GWH   noch ein   A4-Poster   der   Box-Art   Maschine   bei   -   eine   zusätzliche   Aufwertung   des   nicht   ganz   billigen und mittlerweile schwer erhältlichen Bausatzes aus Fernost.
Zum Bau: Eines   vorneweg:   ich   musste   die   MiG   zweimal   bauen   -   dazu   jedoch   später   mehr.   Begonnen   wird   wie   üblich   mit   dem   Cockpit   und   Sitz.   Die   Befürchtungen bezüglich   Schleudersitz   haben   sich   leider   bewahrheitet,   dieser   ist   wirklich   sehr   fummelig   zu   bauen.   Ein   Resin-Sitz   wäre   hier   wohl   die   passende   Ergänzung. Das   Cockpit   selbst   ist   jedoch   super   detailliert   und   macht   jedes   PE-Teil   überflüssig.   Die Anzeigen   werden   mit   einzelnen   Decals   beklebt   und   sind   danach   von einem Fotoätzteil fast nicht mehr zu unterscheiden. Der   Rumpf   liefert   dann   einige   Herausforderungen,   gerade   für   die   Unterseite   sollte   man   sich   extrem   viel   Zeit   lassen,   denn   es   muss   viel   angepasst   werden. Auf   den   Einbau   der   Triebwerke   habe   ich   komplett   verzichtet,   es   hätten   ansonsten   die   Verkleidungen   einfach   nicht   gepasst.   Aber   auch   ohne   Triebwerke   ist hier   die   Passgenauigkeit   einfach   nicht   gut,   selbst   als   erfahrener   Modellbauer   hatte   ich   hier   so   meine   Schwierigkeiten.   Die   obere   Rumpfhälfte   inkl. Tragflächen   hingegen   kommt   aus   einem   Guss,   hier   wird   man   wieder   entschädigt.   Slats   und   Flaps   lassen   sich   variabel   gestalten,   auch   die   „Elevators“   sind am Ende beweglich (Vorsicht jedoch mit den sehr filigranen Zapfen). Nachdem   ich   diese   Hürden   gemeistert   hatte,   ging   der   restliche   Zusammenbau   relativ   problemlos   voran.   Da   ich   noch   ein   paar   Tage   auf   die   Eduard- Maskierfolie   warten   musste,   baute   ich   zuerst   Fahrwerk,   Raketen   und   Pylone   fertig.   GWH   spendiert   der   MiG   übrigens   ein   Set   aus   3   verschiedenen Raketentypen,   die   hervorragend   detailliert   und   teilweise   auch   mit   PE-Teilen   versehen   werden.   Da   mir   die   Farbhinweise   für   das   Fahrwerk   und   Klappen komisch   vorkamen   (alles   sollte   in   Gunze   H308   lackiert   werden),   recherchierte   ich   hier   im   Netz   und   wählte   die   aus   meiner   Sicht   besser   passenden   Farben aus meinem Regal. Und   nun   kam   die   eigentliche   Hürde   -   die   Lackierung.   Besser   gesagt   die   Farbtöne.   Voll   in   meinem   Element   (wer   kennt   das   nicht)   lackierte   ich   nach Bauanleitung   gerade   drauf   los.   Den   Grau/Grün-Ton   für   die   Oberseite   habe   ich   akribisch   nach Anleitung   gemischt.   Zuerst   dachte   ich   es   wäre   so   in   Ordnung und   mit   Klarlack   und   Washing   würde   sich   das   Ganze   noch   entsprechend   verändern. Am   Ende   erstrahlte   das   Modell   allerdings   in   einem   sehr   hellen   Grünton, auch   das   Grau   (lt.   Anleitung   Gunze   H308)   war   viel   zu   blaustichig   und   auch   zu   dunkel.   Was   tun   fragte   ich   mich...war   ich   komplett   farbenblind   oder   unser Anspruch einfach nur zu hoch? Nun   ging   die   eigentliche Arbeit   los.   Nach   kurzer Abstimmung   mit   meinem Auftraggeber   entschieden   wir,   dass   die   MiG   so   nicht   authentisch   ist. Auch   wenn   die Referenzfotos   bereits   älter   und   auch   nicht   sehr   aussagefähig   waren,   ich   (oder   besser   gesagt   GWH)   lag   mit   der   Farbgebung   leider   komplett   daneben.   Ich habe   mich   aus   Qualitätsgründen   gegen   ein   Ablacken   und   für   den   Bau   eines   neuen   Modells   entschieden.   Die   falsch   lackierte   MiG   habe   ich,   da   bereits   zu 90% fertig, aber trotzdem fertig gebaut.
Natürlich   war   es   uns   nun   ein Anliegen,   den   Farbton beim   nächsten   Mal   genau   zu   treffen.   Gemeinsam gelang   es   uns,   mit   dem Ammo   by   Mig   Set   Nr.   7204 und   viel   Geduld   die   richtigen   Grau/Grün-Töne   zu mischen.    FS24277    wurde    mit    Gunze    H303    und H067   abgetönt,   FS26373   Silver-Grey   wurde   mit   ca. 20%   Weiss   aufgehellt.   Für   die   Unterseite   gab   ich dem   Grauton   noch   etwas   H308   hinzu,   um   einen leichten    Blaustich    zu    erzeugen.    Eigenartig,    dass selbst   die   angeblich   originalen   Ammo-Mig   Farben nicht   zu   100%   passen.   Somit   sind   wohl   selbst   die Profis   mit   den   älteren   russischen   Farbtönen   hier überfordert.    Fairerweise    muss    man    sagen,    dass mir   ein   Mitarbeiter   von   "Ammo   by   Mig"   per   Mail- Support   einige   besser   passende   Farben   genannt hat,     am     Ende     hatten     wir     es     jedoch     selbst hinbekommen.    Nach    einigen    Probelackierungen, Austausch    per    Fotos    und    einem    persönlichen Treffen    waren    wir    der    Meinung,    die    passenden Farbtöne gefunden zu haben.
Erneut   traf   der   Bausatz   aus   China   ein,   und   es   konnte   ein   zweites Mal   losgehen.   Dieses   Mal   sollte   es   nun   aber   eine   "Late"-Version werden,   und   zwar   die   Rote   35.   Gesagt   getan,   der   Bau   ging   ein zweites   Mal   etwas   leichter   von   der   Hand,   und   das   Modell   war   nach ein     paar     intensiven     Modellbautagen     wieder     fertig     für     den Lackiervorgang.    Eine    Late-Version    lässt    sich    mit    dem    Bausatz übrigens problemlos realisieren. Da   die   Referenzen   für   die   Rote   35   sehr   mager   aussehen,   und auch   kein   passender   Decalbogen   verfügbar   war,   hielt   ich   mich   so gut   es   ging   an   das   einzige   Foto   welches   wir   von   der   Maschine hatten.      Ich   kombinierte   diese   Vorgabe   mit   den   mir   vorliegenden diversen   Camouflage   Schemen.   Die   35er   Ziffern   am   Bug   kamen schlussendlich   von   einer   Hobby-Boss   MiG-31,   die   am   Heck   aus der     Restekiste.     So     musste     ich     den     Begemont-Decalbogen, welchen    mir    mein    "Mitstreiter"    hat    zukommen    lassen,    nicht anrühren. Fertig   lackiert   und   mit   Decals   und   Washing   versehen   war   die   MiG nun einfach nur mehr der "Hammer". Der Kontrast stimmte, das
Weathering   war   stimmig   und   die   Farbtöne   von   den   Original-Fotos   fast   nicht   mehr   zu   unterscheiden   -   der   Aufwand   hatte   sich   gelohnt!   Nach   Einbau   von Fahrwerk,   Nozzles,   Pylone   und   Klappen   war   die   MiG   fast   fertig   und   konnte   mit   einem   seidenmatten   Finish   versehen   werden.   Mein   Auftraggeber   ist begeistert, und so wird die MiG hoffentlich seine Sammlung bereichern! Happy Modelling, Christian Ristits