Revell 07047 - Land Rover Series III LWB

Box & Bausatzinhalt
- rundum hochglanzbedruckte Schüttbox
- 13 graue Spritzgussrahmen mit 149 Teilen
- 1 Karosserieteil
- 2 Klarsichtrahmen mit 29 Teilen
- 5 Vinylräder
- 1 Decalbogen
- 28-seitige, farbige Bau- und Lackieranleitung
Vorwort
Es gibt in der Automobilgeschichte wohl nur wenige Fahrzeuge, die es in Sachen Kultstatus mit dem Land Rover aufnehmen können. Und in Sachen Robustheit und Geländegängigkeit macht ihm ohnehin keiner etwas vor. Wer im Gelände auch noch viel zu transportieren hatte griff zur als LWB oder 109 bezeichneten Version mit langem Radstand. Revell hat sich diesem Kultauto vor gut einem Jahr angenommen und einen reich detaillierten Bausatz entstehen lassen…
Vorbild / Historie:
1929 kam Spencer Bernau Wilks als geschäftsführender Direktor zu Rover. Er brachte seinen jüngeren Bruder, den Ingenieur Maurice Wilks, mit in das Unternehmen, der später den Geländewagen Land Rover ins Leben rief. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg benötigte die britische Regierung dringend Devisen und begann, Druck auf die Automobilindustrie auszuüben: billig zu produzierende Massen- und Serienautos sollten entwickelt und in die ganze Welt exportiert werden. Die Firma Rover hatte bisher vor allem Luxuswagen von hoher Qualität und hohem Prestige produziert – diese konnte sich nach dem Krieg jedoch kaum mehr jemand leisten. Maurice Wilks war zu diesem Zeitpunkt technischer Direktor. Auf seinem Landsitz benutzte er einen Willys Jeep, eine Hinterlassenschaft der US-Streitkräfte. Wilks war von der Nützlichkeit des Jeeps überzeugt, jedoch war das Fahrzeug schon altersschwach und durch das feuchte Klima rostig. So hatte er die Idee, bei Rover einen Geländewagen für die Landwirtschaft zu bauen und damit das Unternehmen aus der Krise zu führen. Der Prototyp wurde im Frühjahr 1947 in nur wenigen Wochen auf einem Jeep-Chassis aufgebaut; die Bezeichnung „Land-Rover“ (ein Rover für die Landwirtschaft) fand von Anfang an Verwendung und wurde später beibehalten. Die Bleche der Karosserie waren aus Duralumin gefertigt. Noch im gleichen Jahr gab der Rover-Vorstand grünes Licht für eine Kleinserie.
1958 wurde der bereits überaus erfolgreiche Land Rover technisch überarbeitet und als „Serie II“ auf den Markt gebracht. Durch diese Einführung wurden alle bis dahin gebauten Land Rover rückwirkend zur Serie I. Es folgte 1971 die „Serie III“ und 1983 der schraubengefederte Landrover 90 und 110, der erst Anfang der 1990er Jahre den Namen Defender bekam. Das Konzept eines stabilen Stahl-Leiterrahmen-Chassis mit heavy box section und einer Stahl-Spritzwand als Basis für die weiteren Teile sowie einer Karosserie aus Aluminium wurde für alle Modelle bis heute beibehalten.
Wegen der großen Nachfrage begann Rover, den Land Rover ab 1952 in Lizenz auch in anderen Ländern bauen zu lassen. So fertigte die Hamburger Tempo GmbH von 1953 bis 1955 250 Land Rover in modifizierter Form für den Bundesgrenzschutz. Der belgische Hersteller Minerva fertigte zwischen 1952 und 1956 rund 18.000 Land Rover mit leicht abgewandelter Karosserie für die belgische Armee. Sehr bekannt sind die Lizenz-Nachbauten aus Spanien von Santana Motor. Zwischen 1959 und 1994 entstanden dort knapp 290.000 Land Rover. Bis 2011 produzierte Santana weitgehend eigenständige, zumindest optisch aber noch stark an den Defender erinnernde Geländewagen mit Iveco-Motoren.
Obwohl die „Serie“-Land Rover sich äußerlich und technologisch voneinander unterscheiden, haben sie alle den typischen „Land Rover-Look“: viereckig, mit von den Radkästen abgesetztem Kühlergrill und runde Scheinwerfer.
Unter dem Druck der japanischen Allradfahrzeuge Toyota Land Cruiser und Nissan Patrol, die den europäischen Markt eroberten, wurden bei der Entwicklung des 90 und 110 diverse Neuerungen eingeführt: Servolenkung, permanenter Allradantrieb, Scheiben- statt Trommelbremsen vorne, Schrauben- statt Blattfedern. Insbesondere für die Federung musste das Chassis komplett neu konstruiert werden. Viele technische Details flossen vom damaligen Range Rover ein. Mit der Einführung des 200tdi-Motors wurde im Sommer 1990 aus dem Landrover 110 und 90 der Land Rover Defender. Quelle: Wikipedia
Bildquelle: Wikimedia

Der Bausatz
Revell liefert den Bausatz in der üblichen Schüttbox, reich bebildert und mit allen notwendigen Informationen zum Bausatz selbst. Die Spritzrahmen und Zusatzteile (insgesamt 184) sind sauber und getrennt (mit Ausnahmen!) in nicht wiederverschließbaren Folientüten verpackt. Leider befindet sich das Karosserieteil ohne jedweden Schutz etwas „lieblos“ in der Verpackung und die Klarsichtteile reiben unvorteilhaft zusammen in einem Beutel!
Wie von Revell damals zum Start des neuen Kits angekündigt, handelt es sich wirklich um eine komplette Neukonstruktion. Vielfach wurde eine Wiederauflage des deutlich in die Jahre gekommenen Italeri Bausatzes vermutet, was sich aber dankenswerter Weise nicht bestätigt hat. Das Revell Design-Team hat hier ganze Arbeit geleistet und einen stimmigen, durchdachten Bausatz entworfen, welcher, so die Level 3 Vorgabe, auch vom weniger erfahrenen Modellbauer problemlos gebaut werden kann. Trotz des geringeren Schwierigkeitsgrades hat die Detaillierung aber nicht gelitten. Im Großen und Ganzen wurde alles fein säuberlich umgesetzt, obwohl es sich beim Land Rover doch um ein etwas „gröberes“ Gefährt (scherzhaft: Straßentraktor) handelt. Zwar bietet Revell hier nur eine Farboption für das Modell an, im Innenraum hat man aber einige willkommene Optionen. So kann man einen Rechts- oder Linkslenker bauen, oder verschiedene Sitze/Sitzreihen wählen. Es gibt z.B. die Option mit einer vorderen Sitzbank oder der (deutschen) Variante mit Einzelsitzen, ebenso bei den Rückbänken. Bei der Karosse handelt es sich um ein Komplettteil ohne der Möglichkeit Türen zu öffnen, was sicherlich dem „Level 3“ Rechnung trägt. Der 6 Zyl., 2,6 l OHV Benziner wurde von Revell gut detailliert umgesetzt, Schläuche und Leitungen sollten natürlich -wie immer- ergänzt werden, möchte man den Motor zeigen. Die Haube wird einfach eingeklickt und bleibt beweglich, allerdings sollte man dann einige Auswerfermarken auf der Innenseite bearbeiten. Nicht ganz so gut getroffen hat Revell das Getriebegehäuse, was aber bei normal Betrachtung des Modells im Verborgenen bleibt. Bei der Bereifung greift Revell auf die üblichen Vinylreifen zurück. Diese haben ein stimmiges Profil, sind aber an den Flanken glatt, also ohne Schriftzüge umgesetzt. Die letzten beiden Punkte betreffen die Verglasung und das Tropendach. Erstere lassen sich sehr einfach und perfekt in die jeweiligen Rahmen/Ausschnitte einsetzten. Durch den sehr schmalen Kleberand ist hier aber vorsichtiges Arbeiten angesagt. Tipp: Weißleim mit kurzer Trocknungszeit als Kleber verwenden… Bleibt noch das Tropendach. Hier ist ein ganzes Sammelsurium an Löchern zu bohren, für Dachreling und Ersatzrad. Die nicht benötigten Lochmarkierungen geben uns einen Hinweis, dass wohl noch weitere Land Rover Varianten erscheinen werden.
In puncto Spritzgussqualität lässt sich folgendes Sagen: Die Teile machen fast alle einen gut bis sehr guten Eindruck, wobei die Felgen in der Qualität deutlich vom Rest abfallen und viele zu bereinigende Grate aufweisen. Sinkstellen findet man eigentlich nur auf dem Karosseriedach, welche aber durch das Tropendach verdeckt werden. Hier und da gilt es noch einige Formtrennlinien und Häutchen zu beseitigen, alles aber im grünen Bereich und ohne viel Aufwand zu bewerkstelligen. Zum Schluss noch ein weiterer Tipp: Um die feine Dachreling schadlos aus dem Rahmen zu lösen, bietet sich eine Microsäge mit feinem Blatt statt Seitenschneider an.
Bauanleitung
Die Bau- und Lackieranleitung ist komplett in Farbe gehalten und bietet die einzelnen 86 Baustufen in angenehmer Abbildungsgröße. Farbhinweise sind ausschließlich im hauseigenen Revell-System aufgeführt. 5 Ansichten in Farbe zeigen die eine vorgeschlagene Farbgebung und das Anbringen der wenigen Wasserschiebebilder.
Decalbogen
Auf dem kleinen, versatzfrei und dünn vom Decalspezielisten Zanchetti gedruckten Bogen Wasserschiebebilder, findet man hauptsächlich Kennzeichen aus aller Herren Länder wieder. Bei einigen handelt es sich augenscheinlich um Fotos mit geringer, grobkörniger Auflösung. Am ferigen Modell sollte das aber weniger auffallen. Logos, Embleme und die Instrumente sind natürlich ebenfalls enthalten.

Fazit
Der aus neuen Formen stammende Revell-„Landy“ kann in puncto Qualität, Passgenauigkeit und Optionen, sehr überzeugen. Die wirklich gut umgesetzte 24fache Verkleinerung der Legende lässt sich mit ca. 180 nicht zu filigranen Teilen auch vom weniger erfahrenen Bastler problemlos auf die Räder stellen. Einzig die etwas „undurchdachte“ Verpackung der Klarsichtteile und der Karosserie trüben den gesamteindruck ein ganz klein wenig.
Diesen sehr empfehlenswerten Bausatz erhalten sie direkt bei Revell, oder im gut sortierten Fachhandel.
Happy Modelling,
Thomas Schneider
(Dezember 2020)
