Übersicht
Hersteller: Tamiya
Bausatztitel: M551 Sheridan VIETNAM WAR
Artikelnummer: 35365
Maßstab: 1:35
Material: Polysyrol-Spritzguss, Wasserschiebebilder, Draht, Vinylteile
Preis: UVP € 54,49
Bezugsquelle: Fachhandel
Vertrieb: TAMIYA-CARSON
Herstellerseite: 35365
Tamiya 35365 - M551 Sheridan VIETNAM WAR 1/35

Box & Bausatzinhalt
- farbig bedruckte Stülpdeckelschachtel ca. 38,5 x 24,5 x 6cm
- 5 olivgrüne Spritzrahmen mit 267 Teilen
- 1 Wannenoberteil
- 1 Klarsichtrahmen mit 20 Teilen
- 1 Kupferdraht
- 1 Vinylschlauch
- 14 Polycaps in schwarz und grau
- 1 kleiner, 7 x 5 cm großer Decalbogen
- 16-seitige s/w Bauanleitung
- 1 farbige Bemalungsanleitung mit einem Einsatzbericht eines Vietnam Veteran
- 1 A-4 Faltblatt „Backround Information“ (4-sprachig)
Vorwort
Ein eigenes Haus sollte man immer zweimal bauen. Diese gängige Binsenweisheit wende ich jetzt mal auf den neuen M551 „Sheridan“ Panzerbausatz von Tamiya an. Schon 1971 erstmals vorgestellt, hat der Hersteller aus dem Land der aufgehenden Sonne einen komplett neuen Kit dieses per Luftfahrt verfrachtbaren leichten Panzers in den Handel gebracht.
Vorbild / Historie:
Im Jahr 1958 wurde das Vorgängerprojekt des Sheridan, der Aufklärungspanzer T92, aufgrund mangelnder amphibischer Fähigkeiten der Prototypen eingestellt. Im folgenden Jahr wurde unter dem Akronym ARAAV (Armored Reconnaissance Airborne Assault Vehicle) ein neues Konzept für einen Panzer entwickelt, der sowohl die Eigenschaften eines Aufklärungspanzers, als auch die eines Luftlandepanzers haben sollte. Dabei wurde Wert auf amphibische Eigenschaften, die Möglichkeit zum Fallschirmabwurf und auf eine starke Bewaffnung gelegt. Insgesamt wurden zwölf Vorschläge von verschiedenen Firmen eingereicht, wobei das Modell der Cadillac Motors Car Division für die weitere Entwicklung ausgewählt wurde. Das Kernstück des Fahrzeugs war das XM81 Shillelagh Combat Vehicle Weapon System. Die Kennedy-Administration mit Verteidigungsminister Robert McNamara beschleunigte das Programm, da mehr Wert auf konventionelle Streitkräfte gelegt wurde und McNamara technische Lösungen für taktische Probleme bevorzugte. Da die ersten Versuche mit dem Shillelagh-System im Herbst 1961 jedoch enttäuschend ausfielen, wurden für den Sheridan verschiedene andere Arten der Bewaffnung in Erwägung gezogen. Darunter fielen eine konventionelle Bewaffnung mit einer Zugrohrkanone, eine Zugrohrkanone in Kombination mit dem französischen ENTAC-System oder eine reine Lenkflugkörperbewaffnung mit dem TOW- oder Polecat-System. Da die beiden Raketensysteme ebenfalls noch nicht einsatzbereit waren, fiel die Wahl auf eine 152-mm-Zugrohrkanone, die neben den Shillelagh-Raketen auch konventionelle Munition abfeuern konnte, so dass die Bewaffnung im Falle einer Einstellung der Lenkflugkörperversuche hätte beibehalten werden können. Weitere Tests der Shillelagh verliefen jedoch zufriedenstellend.
Da die 152-mm-Kombinationswaffe eine Neuheit darstellte, wurde bei der folgenden Entwicklung viel Wert auf die Tests des Turms mit der Waffe gelegt. Im August 1962 wurde ein Prototyp des Turms auf die Wanne eines M41 montiert, um die Waffe mit der konventionellen Munition zu testen. Prototypen der Wanne und des Fahrgestells wurden ab Juni 1962 Tests unterzogen. Während der Tests wurden die Prototypen insgesamt vier großen Änderungen unterzogen, das Design des fünften Prototyps wurde für die Produktion übernommen.
Die Haushaltsmittel für die Produktion des M551 Sheridan wurden am 12. April 1965 bewilligt. Im Mai 1966 wurde das Design des letzten Prototyps als Urmuster festgelegt, obwohl noch im März schwerwiegende technische Mängel vorhanden waren. Der Grund hierfür war die Sorge der US Army, dass die Finanzierung für weitere Tests aufgehoben werden könnte, was das Ende des gesamten Projekts bedeutet hätte. Die Mängel betrafen Sicherheit, Haltbarkeit, Verlässlichkeit, Leistung und Wartung. Das Test and Evaluation Command (TECOM) der Army bezeichnete den M551 als nicht für den Einsatz geeignet. Dennoch wurde die Serienproduktion 1966 aufgenommen. Bis zum November 1970 wurden 1662 Fahrzeuge produziert. Die Gesamtkosten betrugen etwa 1,3 Milliarden US-Dollar, was einer Kostenüberschreitung von 80 % gegenüber den ursprünglich veranschlagten Kosten entspricht.

1989 wurde der Sheridan einer Kampfwertsteigerung unterzogen. Dabei wurde die unzuverlässige Nebelmittelwurfanlage ausgetauscht und ein AN/VSG-2 Thermalsichtgerät eingebaut, das dem Sheridan Nachtkampffähigkeit verlieh. Der Fahrer konnte auf einen Restlichtverstärker zurückgreifen. Die neue Bezeichnung lautete M551A1(TTS). Insgesamt sollten 70 Fahrzeuge umgerüstet werden, durch den Ausbruch des zweiten Golfkriegs konnten jedoch nur 60 Fahrzeuge umgerüstet werden, bevor sie nach Saudi-Arabien geflogen wurden.
Der Sheridan wurde nur von der US-Army eingesetzt, lediglich ein einziges Exemplar wurde von Australien erprobt, jedoch als unbrauchbar zurückgewiesen.
Heute dienen noch einige Exemplare des Sheridan zur Feindzieldarstellung in Gefechtsübungszentren. Durch Um- und Anbauten sollen Fahrzeuge sowjetischer Herkunft wie zum Beispiel der T-80, BMP-1 oder der ZSU-23-4 dargestellt werden. Quelle: Wikipedia
Technische Daten des M551 Sheridan:
Breite: 2,794mm Länge: 6,307mm Höhe: 2.946mm
Motor: Detroit-6V-53T Flüssigkeitsgekühlter V6 Diesel mit Turbolader
Leistung: 300hp
Gefechtsgewicht: 15,177 t
Geschwindigkeit: max. 72 km/h
Reichweite: ca. 600 km
Bewaffnung: 1 × 152-mm-Kanone mit 20 HEAT-T-MP-Granaten und 8 MGM-51 Shillelagh-
Lenkflugkörpern 1 Browning M2 12,7 x 99-mm MG, 1 M16 (M240) 7,62 x 51-mm MG

Der Bausatz
Fünf olivgrüne Spritzrahmen, das Oberteil der Wanne, ein Klarsichtspritzling und die in der Rubrik „Ausstattung“ aufgezählten weiteren Teile, zeigen sich dem Betrachter fein säuberlich verpackt nach dem ersten öffnen der Schachtel. Der Plastikschutzhülle entledigt -die typisch Tamiya, jedem Rahmen zu Teil wird- geben die Bauteile einen ungetrübten Blick auf ihre Performance frei. Ohne jedwede Fischhaut, Versatz oder dergleichen mehr, fertigt Tamiya seine Teile für diesen Kit. Und nicht nur hier, sondern in der ganzen Produktion von Polystyrol-Modellen haben die Japaner solche für den Modellbauer ärgerlichen Eigenschaften aus ihrer Produktionslinie verbannt. Einfachste Montage und hervorragende Passgenauigkeit sind bei deren Modellen ständiger Begleiter. Hier möchte ich im Allgemeinen schon mal auf die Arbeit der Herren aus Shizuoka anstoßen. Mir persönlich gefällt die ausgeglichene Balance zwischen Detaillierung, Passgenauigkeit, Montagefreundlichkeit, Qualität und maßstäblicher Umsetzung im Modell besonders gut. Ich denke, ganz ganz wenige beherrschen diesen Spagat so gekonnt wie Tamiya.
Gestartet wird mit dem Zusammenbau des Wannenunterteils, das sich aus 8 Hauptbauteilen zusammenfügt. Aufgrund der Qualität der Teile prognostiziere ich keine Probleme bei der Passung. Zwei Löcher mit 1 mm Stärke müssen in den Boden gebohrt werden, um den zusätzlichen Panzerschutz E37 befestigen zu können. Weiter vorzunehmende Bohrungen am Fahrzeug lassen schon künftige Varianten erkennen. Über die relativ einfache Aufhängung, eben genauso wie am Original, wird logischerweise das Kettentreibrad per Polycaps drehbar gehalten. Damit ist eine genaue Ausrichtung zur Kette hin garantiert. Die Kette selbst besteht aus 16 Teilen je Seite, wobei um die Spann- bzw. den Treibrädern herum Einzelglieder verbaut werden. Die nicht zu vermeidenden Auswerfermarken sind sehr schwach auf der Innenseite zu erkennen und leicht per Skalpell zu entfernen. Alle Anderen sind geschickt auf nicht einsehbare Stellen verbannt. Völlig glatt ist Teil A26, dem Kettensegment, auf dem der Panzer steht, hergestellt. A41, das durchhängende Segment der Kette, welches ohne Führungsrollen zwischen dem Spann- und Treibrad durchhängt, ist schon richtig vorgebogen. Einfacher geht es nicht. Einzig auf die richtige Laufrichtung der Kette ist zu achten. Per Bild wird darauf in Baustufe 8 hingewiesen. Tamiya widmet je eine Baustufe dem Kettenantrieb, um absolut verwechslungssicher vorzugehen. Weiter geht es mit der Oberwanne, wo mittels zweier einzuschneidender Polycaps, das Gehäuse C46 als Aufnahme des optionalen Fahrers und der Luke von unten in das Oberteil eingeklebt wird. Diese Ausführung gewährleistet ein Abnehmen der Fahrerluke, um einerseits den „halben“ Fahrer einzusetzen und zudem die Luke zu öffnen und zu schließen -sehr klug ausgeführt.
Das der Lauf der 152-mm-Kanone M81 noch mit Zügen und Feldern versehen ist, zeigt einmal mehr, mit wie viel Liebe im/zum Detail Tamiya seine Modelle umsetzt. An Optionen erlaubt der Kit noch einen abgedeckten Suchscheinwerfer, aufgesetzte Mannschaft, per Stahlplatten geschützte Kommandantenluke und drehbaren Turm. Das Richten der Hauptwaffe in der Höhe ist ebenfalls möglich. Zu den Figuren darf ich meine Bewunderung aussprechen. Perfekt auf die jeweilige Station am Fahrzeug abgestimmt, überzeugen Sie mit feinsten Details an Uniform und Gesicht. Der Kommandant hält das M2 cal .50 Browning MG fest in der Hand, der Ladeschütze sitzt mit einem Bein im Fahrzeug auf der Ladeschützenluke und hält sein M16 im Hüftanschlag. Den Kopf des Letztgenannten kann man wahlweise mit einem Besatzungshelm oder Gefechtshelm bedecken.
Nach in der Bauanleitung abgebildeten Schablonen schneidet man das Gitter zurecht und bringt es wie Beschrieben am Fahrzeug an. Der vordere Gitterschutz wird zusätzlich mit dem beiliegenden Kupferdraht befestigt.
Bauanleitung
Die Anleitung zum Bau des Sheridan gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Logisch aufgebaut, mit klar verständlichen Tipps und Infos wird einer fehlerhaften Montage vorbildlich vorgebeugt. Selbstverständlich sind die Farbangaben den eigenen Farben geschuldet. Den Angaben zur Mischung kann man vertrauen, diese Erfahrung habe ich schon mehrmals gemacht. 38 Baustufen veranschlagt die Anleitung. Auf der letzten Seite gibt Tamiya noch Tipps, wie denn die Lackierung des Panzers war, und wie man die Dacals sicher auf das Modell aufbringt. Ein gesondertes DIN A-4 Faltblatt „Backround Information“ viersprachig gedruckt, gibt einen kleinen geschichtlichen Hintergrund.
Sehr interessant gestaltet ist die Bemalungsanleitung, die mit einem Einsatzbericht des US Veteran Doug Kibbey der US Army bereichert ist. Unterstrichen durch 7 Bilder, ein willkommenes Schmankerl im Bausatz. Zwei der sechs Seiten zeigen den Sheridan dann in seinen zwei möglichen Varianten von allen Seite in Farbe.
(Bauanleitung in Auszügen)
Decalbogen
Mit Weiß, Rot und Gelb ist der kleine feine Decalbogen gedruckt. Druck, Schrift, Rasterung und Farbe sind einwandfrei.
Markierungsoptionen:
- 3rd Squadron, 4th Cavalry Regiment, 25th Infantry Division, Vietnam 1969
- 1st Squadron, 11th Armored Cavalry Regiment, Vietnam 1969

Modelldetails
Bildquelle: Tamiya
Fazit
Tamiya hat hier einmal mehr einen Bausatz abgeliefert, der uneingeschränkt zu empfehlen ist. Die beiliegenden, auf das Fahrzeug angepassten Figuren, deren Gestaltung das „Können“ des Herstellers widerspiegelt, erlauben ohne viel „drum herum“ schon aus dem Basisbausatz heraus eine kleine Vignette zu erstellen. Tamiya hat mehr als gekonnt das Modell durch den kompletten Neuentwurf in die aktuelle Zeit transferiert. Die Genialität dieses Kits liegt in seiner überschaubaren Teilezahl, ohne in Sachen Qualität, Realismus und Umsetzung irgendwo Anlass zur Kritik zu geben. Ein Bausatz der Spitzenklasse. Bleibt als einziger Wehrmutstropfen, dass Tamiya auf keinem Fall weitere Varianten dieses schönen Modells dem Markt vorenthält.
Eine gewisse Erfahrung mit dem Modellbau sollte der Bastler aber mitbringen.
Garantierten Bastelspaß wünscht
Guido Veik
Diesen sehr empfehlenswerten Bausatz erhalten sie im gut sortierten Fachhandel.
