ICM 35670 - Model T RNAS Armoured Car with WWI British Tank Crew

Box & Bausatzinhalt
- stabile Klappdeckelschachtel mit hochglanzbedrucktem Stülpdeckel
- 4 graue Spritzrahmen mit 169 Teilen
- 1 Klarsichtrahmen mit 10 Teilen
- 1 Decalbogen
- 12-seitige Bau- und Lackieranleitung (Fahrzeug)
- 2 x 2-seitige A4 Anleitung (Figuren + Zubehör)
Vorwort
Wer einen so großen Formenfundus über die letzten Jahre angesammelt hat, tut sich natürlich leicht, selbst solche Modelle auf den Markt zu bringen, die in ganz wenigen Einheiten im Original hergestellt worden sind. Auf Basis des legendären Ford T Models schraubte man auf dessen Chassis eine gepanzerte Karosserie und verwendete diese bei der RNAS. Fast genauso geht ICM bei dieser Variante des Modells vor.
Vorbild / Historie:
Von einem der meistgebauten und wohl bekanntesten Fahrzeug aller Zeiten, dem Model T von Ford, wurden unzählige Versionen aller Art in oftmals geringsten Stückzahlen hergestellt. So handhabte man es auch mit diesem gepanzerten Fahrzeug, eingesetzt von der RNAS (Royal Navy Air Service). Chief Petty Officer L. Gutteridge designte eine Karosserie mit 5 mm starkem Stahlblech und setzte sie samt Antrieb auf das Fahrgestell des Model T. Unweigerlich verdoppelte sich das Gewicht von 1 Tonne. Zur Kompensation der gestiegenen Masse wurden die Federn und Spurstangen verstärkt. Insgesamt wurden bei W. G. Allen & Sons of Tipton 9 Modelle produziert. Sechs davon wurden von der RNAS in Russland verwendet. Britische Truppen nutzten sie für leichte Aufklärungseinsätze in Rumänien und dem Kaukasus zwischen Juni und September 1916.
Technische Daten:
Besatzung: 2 – 3 Mann, Gesamtgewicht 2000 kg, Länge 3575 mm, Breite 1675 mm, Höhe 1850 mm, Radstand 2540 mm, Spurweite vorne und hinten 1420 mm, Motor Ford 4-Zylinder Otto-Motor mit 2,9 l Hubraum und 22,5 PS, Höchstgeschwindigkeit 50 km/h, Reichweite 100 km, Panzerung 5 mm, Bewaffnung, 1 Vickers MG 0.303 cal. (7,7 x 56 mm) (Quelle: ICM, Guido Veik)
Modelldetails
Bildquelle: ICM
Der Bausatz
Garniert mit dem bereits bekannten Figuren Set 35708 WWI British Tank Crew, fügt ICM den Model T RNAS Armoured Car 35669 zum neuen Set 35670 zusammen. Dabei ist auch das Vickers MG 35712 mit von der Partie, welches auf der Ladefläche lafettiert wurde.
Basis des gepanzerten Ford T ist im Modell wie im Original das Chassis. Motor, Kühler, Auspuff, Antrieb, Räder und Achsen sind bei allen Modellen, die bisher erschienen sind, gleich. Weswegen auch der Rahmen B bei allen Verwendung findet. Jedoch finden gut 45 Teile den Weg in die Krabbelkiste. Der gepanzerte Aufbau mit seinen überwiegend geraden Seiten, ist wie dem Vorbild entsprechend, mit wenig Details versehen. Außer an den Verbindungen der Panzerplatten, die mittels feinen Rundkopfnieten dargestellt werden, gesellen sich noch Bandscharniere der beiden linken Türen, Öffnungen für die wenigen und kleinen Fenster, einige Griffe und das auf dem Schrägdach montierte Ersatzrad hinzu. Die nicht zu vermeidenden Auswerfermarken an der Innenseite der Panzerplatten stören nur, sofern man nach einem Umbau den Innenraum optisch zugänglich macht. Über die erste Tür an der linken Seite gelangt man auf die nach vorn gezogene Pritsche, um des Weiteren die eigentliche Tür zum Fahrerraum öffnen zu können. Dieser ist nach rechts versetzt, was ein Verlassen des Fahrersitzes unter einem gewissen Feuerschutz halbhoch erlaubt. Obwohl die kleinen Fenster so gut wie keinen Blick ins Innere des Wagens ermöglichen, ist zumindest die Pedalerie, das Lenkrad samt Lenksäule, Handbremshebel und vor dem Fahrer links ein mir unbekannter Kasten montiert. Wer weiß dazu mehr? Gerne würde ich das in Erfahrung bringen! Einen Sitz sucht man vergeblich. So soll nach meiner Internet Recherche dieses gepanzerte Fahrzeug gar keinen Sitz gehabt haben. Mehrere gestapelte und in der Luxusausführung mit einer als Rückenlehne fungierenden Matratze dienten wohl als Sitz. Diese Erkenntnis löst bei mir richtiges Unbehagen aus. Der Motor, samt schön modelliertem Kühler mit äußerst fein gravierten Schriftzug, der die meisten Details zeigen kann, verschwindet unter der gepanzerten Schnauze des Vorderwagens. Findige Hobbyisten können mit etwas Fleißarbeit die Vorderräder eingeschlagen darstellen. Vom Bausatz her gesehen, ist dies nur mit einem kleinen Umbau möglich. Wenn schon etwas geschnitzt wird, kann man noch die eine oder andere Tür öffnen und einen Fahrer oder Infanteristen auf dem Fahrzeug platzieren. Neben der Lichtanlage ist auf höhe des Fahrerhauses eine Tarnlichtanlage seitlich angebracht. Die Anlasserkurbel führt durch die zum Boden hinab verlängerte Frontpanzerung des Motorraums zur Anlasserklaue der Kurbelwelle. Einfache Tür- und Klappengriffe in L-Form, das auf dem Schrägdach aufgesetzte Ersatzrad und vollverkleidete Räder zum Schutz der Speichen vervollständigen das Modell.
Bauanleitung
Die 12-seitige Bauanleitung ist bis auf die fehlende Information des Fahrersitzes im ICM-typischen Stil leicht und verständlich aufgebaut. Trotz des einfachen Erscheinungsbildes benötigt man 51 Baustufen (ohne MG und Figuren) um daraus dieses gepanzerte Fahrzeug zu erstellen. Revell und Tamiya gibt ICM als Farbhersteller an. Der einzigen Variante reicht eine 4-Seitenansicht auf der letzten Umschlagseite aus. Zwei Farben der Tarnung, ein Erdton und Grauton mit hellen grauvioletten oder beigegrauen Reifen samt Olivgrünem MG mit allerlei Schmutz sind nach fertiger Lackierung am Wagen aufgetragen zu bewundern. Noch vier Decals angebracht, schon ist der Ford Modell T Panzerwagen fertig.
Markierung:
- Model T RNAS 1.C.4, Armoured Car, Romanian Front, Summer 1916.
Decalbogen
Die minimalen Markierungen sind auf dem kleinen, in leuchtenden Farben und dünn gedruckten Decalbogen enthalten.

Figuren
Im Set enthalten sind vier Figuren, die sich zu einer Lagebesprechung um eine Karte formieren. Die in mittelgrau eingefärbten Plastikteile finden auf einen Rahmen Platz. Eine übliche Aufteilung der Figuren in Kopf, Torso, Armen, Beinen und Ausrüstungsgegenständen ist sinnvollste Gliederung im Spritzguss. Der nicht zu vermeidende Grad an den Teilen bedingt durch den beiden Hälften der Formen ist schnell versäubert. Um den charakterstarken Ausdruck der Köpfe gerecht zu werden, empfehle ich die Ohren etwas nach zu detaillieren. Mit dem Skalpell kann man leicht die Ohrmuschel etwas lebendiger gestalten. Wie die Gesichter auch, sind die übrigen Teile teils hervorragend modelliert. Der Faltenwurf überzeugt hier genauso gut wie die Ausarbeitung der Taschen, Schnallen und Gürtel. Besonders fein ist die Naht am Pistolenhalfter gemacht. Da muss man schon zweimal hinschauen, um die Feinheit der Stiche im Leder und des Zwirns zu erkennen. Farblich hervorgehoben ist dieses Detail bestimmt ein Hingucker. Selbst die Rückseite des Halfters ist mit dem Reinigungswerkzeug der Pistole ausgestattet. Leider sieht man diese schönen Details nicht mehr, klebt man den Halfter an den Torso Nummer 12 fest. Für den Offizier mit Stock und Aktentasche liegen wahlweise zwei Kopfbedeckungen bei. Zudem trägt der Offiziers als einziger Ringbandagen an den Beinen. Ein Besatzungsmitglied kniet und erläutert auf der Karte die Lage der vor Ihm stehenden Soldaten. Leider hat ICM keine kleine Karte beigelegt. Diese muss man in Eigenregie erstellen, was heutzutage aber kein Problem darstellt.
Wie beim Fahrzeug gibt ICM die Farbhersteller Revell und Tamiya an. Für die komplette Information des Zusammenbaus und der Bemalung reicht ein DIN A-4 Blatt vollends aus. Die Figuren werden auf der Rückseite farblich von zwei Seiten gezeigt und Nummern bezeichnen verwechslungssicher die Bauteile.
Zubehör
Das aus dem Set 35712 bekannte Vickers MG konnte mittels Schnellspannklemmen auf der Pritsche montiert werden. Das ist die einzige Möglichkeit, neben den Figuren, dieses Modell mit etwas Gestaltungsspielraum auszustatten.
Die 21 Bauteile des MG´s überzeugen durch sauberen Spritzguss mit feinen Details. Ein Patronengurt ist auch mit von der Partie, muss aber in die richtige Position gebogen werden, da dieser von der Munitionskiste von rechts in das MG einzuführen ist. Dabei ist dies sehr leicht zu bewerkstelligen, da das Plastik in dieser Stärke leicht zu Formen ist. Wahlweise erlaubt der Bausatz einmal ein MG mit glatten Kühlmantel, ein weiters mal mit geriffelten Mantel darzustellen. Die Möglichkeit, zwei Dreibeingestelle (einmal flach- und hochgestellt) ist zusätzlich mit den Teilen 5 und 8 zu verwirklichen. Um das MG auf der Pritsche zu befestigen, muss man den Anweisungen der Bauanleitung auf Seite 11 Baustufe 50 folgen. Versehen mit einer rechteckigen Panzerplatte mit kreisrundem Befestigungsflansch, geht die Anleitung des Panzerwagens nicht weiter auf den Zusammenbau des MG´s ein. Hierfür liegt die Anleitung des MG´s separat bei. Als Bau- und Lackieranleitung dient eine vollkommen ausreichende DIN-A4 Seite, die im ICM-typischen Schwarz-Weiß-Rot gehalten ist. Revell und Tamiya führt der ukrainische Hersteller als Farbhersteller an. Der Kühlschlauch muss von der Unterseite des Kühlmantels in den gut 4,5 Liter fassenden Kühlkanister in Eigenregie angefertigt werden. Ansonsten ist ein Versagen des .0303 in cal (7,7 x 56 mm) MG bei Dauerfeuer vorprogrammiert. Perfektionisten ersetzen den Lederriemen der Munitionskiste noch mit dünnerem Material und dürfen noch den Stöpsel samt Kette des Kühlmantels hinzufügen. Alles in allem, ein sehr gelungene Darstellung des beliebten MG´s auf britischer Seite.
Fazit
Vorbildlich verpackt, mit den Figuren zu einem sehr interessanten Set zusammengeführt, beeindruckt dieser Kit. Die wenigen sichtbaren Details des Originals wurden von ICM gekonnt umgesetzt und erlauben der relativ einfachen Bauteile wegen einen schnellen Zusammenbau. Inwieweit man von mir angeregte Umbauten annimmt, spielt dabei keine Rolle. Es ist ein extrem seltenes Modell (nur 9 Stück Produktion), das ICM uns hier beschert.
Diesen Kit kann ich guten Gewissens sehr empfehlen.
Viel Bastelspaß wünschend,
Guido Veik
(Januar 2021)
