Dottie Mae
Modell: Republic P-47D Thunderbolt
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/32
Verwendeter Bausatz: Eduard (11103)
Schon die zentralen Schlagwörter rund um diese P-47D mit der Seriennummer 42-29150 sind aufsehenerregend: der auf den Namen „Dottie Mae“ getaufte Jagdbomber stürzte am 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation, bei Ebensee in den oberösterreichischen Traunsee, ging unter und wurde nach 60 Jahren von einem österreichischen Bergungsunternehmen wieder an die Oberfläche gebracht. Aber nicht nur das: nach 12 Jahren akribischer Restauration sollte sie am 22. Juni 2017 zu ihrem zweiten Erstflug abheben, immerhin 72 Jahre nach ihrem Absturz. Bei so vielen interessanten Schlagwörtern lohnt es, einzelnen Punkten nachzugehen, um mit ein paar Fakten dieser Geschichte etwas mehr historische und, wie zu zeigen sein wird, auch menschliche Tiefe zu geben!

Zur Geschichte der P-47D „Dottie Mae“
Die P-47D-28-RA mit der Seriennummer 42-29150 war im Jahr 1944 im Republic-Werk in Evansville, Indiana (USA) gebaut worden. Nach Fertigstellung und Auslieferung wurde sie für den europäischen Einsatzraum bestimmt und der 511th Fighter Squadron, Teil der 405th Fighter Group der 9th Air Force, zugeteilt. Dort kam sie gerade rechtzeitig an, um ab 16. Dezember 1944 ihre ersten Kampfeinsätze im Zuge der deutschen Ardennenoffensive zu fliegen. In den nächsten fünf Monaten sollten noch gut 90 Einsätze dazukommen.
An der geografischen Lage der von der 511th FS genutzten Einsatzbasen lässt sich das Vorrücken der alliierten Truppen in den letzten Kriegsmonaten gut ablesen: vom Dezember bis Anfang Februar flog die Einheit von Saint-Dizier Airfield (A-64) in Frankreich aus, vom 9. Februar bis 30. April dann von Ophoven Airfield (Y-32) in Belgien, in den finalen Kriegstagen starteten die Maschinen von Kitzingen Airfield (R-6) in Oberfranken aus. Zu ihrem letzten Flug sollte die P-47 Dottie Mae allerdings schon von Straubing Airfield (R-68) nahe München abheben, auf den am gleichen Tag verlegt worden war.
Lt. Larry Kuhl, dem die Maschine als Stammpilot zugeteilt worden war, ließ eine von einer Varga-Figur inspirierte nose-art anbringen (angelehnt an das Vargas-Kalenderblatt „Santa’s Little Helper“), dass er noch mit dem Schriftzug des Namens seiner Frau weiter personalisierte: die P-47 „Dottie Mae“ war geboren! Am Tag ihres Absturzes sollte der Jagdbomber allerdings vom erst 19-jährigen 2nd Lt. Henry G. Mohr jr. Geflogen werden.
Der letzte Flug der „Dottie Mae“
Nachdem am 8. Mai kurz nach neun Uhr morgens gestartet worden war, nahm der Verband von insgesamt 20 P-47 Thunderbolt mehrere tiefe Überflüge über das kurz zuvor befreite KZ Ebensee vor, um den erlösten Insassen Mut zu machen. Dieser riskante Tiefflug im bebauten und bergigen Terrain sollte dem Piloten der „Dottie Mae“ zum Verhängnis werden: nachdem er mehreren Schornsteinen hatte ausweichen müssen, wollte Lt. Mohr wieder zu seinem Verband aufschließen, überschätzte dabei aber seine Flughöhe und berührte mit den Propellerspitzen die Wasseroberfläche. Infolgedessen schlug er mit rund 370 km/h auf dem See auf, konnte sich aber nach dem nassen Crash noch mit Mühe aus seiner schnell sinkenden Thunderbolt befreien. Die Sache wäre für ihn wohl böse ausgegangen, hätten nicht zwei beherzte einheimische junge Frauen den halb betäubten Piloten, der ohne Schwimmweste große Mühe hatte, sich über Wasser zu halten, an Bord ihrer schnell herangeruderten Zille gezogen.
Die „Dottie Mae“, die nun für die nächsten sechzig Jahre in rund 70 Metern Tiefe auf dem Seegrund ruhen sollte, war der letzte alliierte Flugzeugverlust in Europa und Lt. Mohr wurde zum letzten in Europa in Gefangenschaft geratenen alliierten Piloten: in der unübersichtlichen Lage der letzten Kriegstage hatte man ihn nach seiner Rettung aus dem See tatsächlich noch für ein paar Stunden als Kriegsgefangenen in Gewahrsam genommen.
Faszinierend ist, dass Henry G. Mohr seine P-47 Thunderbolt „Dottie Mae“ noch einmal wieder sehen sollte. Mohr hatte nach dem Krieg eine erfolgreiche Laufbahn in der US-Air Force absolviert, die er 1963 beendete, um nach Studium und Ausbildung als Pädagoge zu arbeiten und schließlich eine Schule in Hampton, Virginia zu führen. Im Sommer 2005 konnte er tatsächlich noch persönlich bei der Bergung seiner Maschine aus dem Traunsee anwesend sein. Henry G. Mohr Jr. verstarb am 30. Juli 2009 im Alter von 88 Jahren in einem Pflegeheim in Virginia.
Zu Bausatz und Bauprozess
Eduards Ausgabe der “Dottie Mae” liegen die inzwischen etwas in die Jahre gekommenen Formen einer “Bubbletop”-Thunderbolt von Hasegawa bei. Zum einen bedeutet das eine hervorragende Passgenauigkeit der Teile sowie eine unkomplizierte, übersichtliche Abfolge der Bauschritte, zum anderen ist damit aber auch ein Grad an Detailierung eingehandelt, der heute nicht mehr zur Gänze befriedigen kann.
Daher habe ich dieser gediegenen, aber eben nicht außergewöhnlichen Ausgangsbasis zwei Maßnahmen verordnet, welche das finale Erscheinungsbild etwas “boosten” sollten. So kam Quinta-Studios ausgezeichnetes Material für das Cockpit zum Einsatz, was sich angesichts des gut einsehbaren Innenraumes auch rechtfertigen lässt. Zum anderen aber habe ich etwas erprobt, was mir bis dahin unbekannt war: für die vielen stencils auf den Oberflächen der P-47 kam ein Masken- Bogen von “1 Man Army” zum Zug.
Ich gestehe, ich habe am Beginn gezögert, mich diesen Mikro-Sprühschablonen anzuvertrauen. Die filigran kleinen selbstklebenden Masken erschienen mir fast als zu feingliedrig, um sauber gesprüht werden zu können. Nachdem aber schon die ersten Versuche vielverprechend ausgefallen sind, konnte ich mich bald mit wachsender Freude ans Werk machen. Gegen Ende dieses Bauschritts hat es mir dann schon regelrecht Spaß gemacht, die winzigen Masken mit der Pinzette auch an den verwinkeltsten Stellen anzubringen und diese danach sauber abzusprühen. Nachdem ausdauernd präzise gearbeitet werden und in einem zweiten Schritt großflächig abgeklebt werden muss, ist der Aufwand nicht unerheblich. Allerdings ist ja auch das Aufbringen dutzender Stencil-Decals eine aufwendige Arbeit, wobei auch noch ein unerfreuliches “Silbern” der Schiebebilder droht – das ist hier ausgeschlossen!
Rückblickend sehe ich diese Methode als eine echte hochwertige Alternative, um kleine Aufschriften und Markierungen anuzbringen. Die nächsten Maskenbögen für folgende Projekte liegen schon bereit! Bei näherem Interesse an dieser Technik bitte ich, einfach die Baufotos dieses Berichts zu studieren.
Erwähnt werden muss natürlich die Beigabe von Eduards Resin-Reifen, des Maskensets für die Klarsichtteile und der Ätzteilsets für Cockpit beziehunsgweise für den Motor. Diese Beigaben “boostern” das Modell gerade in jenen Bereichen weiter, bei denen die Hasegawa-Formen Detaillschwächen zeigen.
Fazit
Für mich war dieses Projekt äußerst erfahrungsreich und kurzweilig. Die Kombination aus bewährten Polysterolteilen, toller Eduard-Beigaben sowie dem Kennenlernen und Erproben einer Technik, ist genau jener Mix, der für beste Modellbau-Unterhaltung sorgt.
Etwas kommt noch hinzu: der Traunsee liegt in meiner nächsten Umgebung und ist mir von Jugendtagen an wohlvertraut. So ist die Geschichte der “Dottie Mae”, die sechzig Jahre auf seinem Grund gelegen hat, auch eine Geschichte, mit der ich meine Heimat näher kennen gelernt habe.
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer





