Durch die Schallmauer!
Modell: Bell X-1
Gebaut von: Stefan Fraundorfer
Maßstab: 1/48
Verwendeter Bausatz: Eduard (8079)
Prolog
Am 14. Oktober 1947 schrieb sich die Bell X-1 in die Luftfahrtgeschichte ein, als sie mit Captain Charles E. „Chuck“ Yeager am Steuer die Schallmauer durchbrach. Das war der erste nachgewiesene Überschallflug der Menschheit. Die Maschine erreichte dabei eine Geschwindigkeit von Mach 1,06 (1.125 km/h) in etwa 13.100 m Flughöhe.

Bell X-1
Ihr Äußeres machte eigentlich keinen besonderen Eindruck: eine kleine Maschine in grellem Orange. Ihre Form basierte auf einem MG-Geschoß vom Kaliber 12,7 mm, einem der wenigen überschallschnellen Objekte, die man seinerzeit kannte. Und trotzdem ging die X-1 mit ihrer Pionierleistung im Überschallflug in die Geschichtsbücher ein.
Die sogenannte Schallmauer galt als eine der großen Herausforderungen in der Luftfahrt und die X-1 war nur dafür konstruiert worden, diese Hürde zu überwinden. Um die erforderliche Flugleistung zu erreichen, wurde sie von einem B-29 Bomber auf eine Ausgangshöhe von rund 7.500 Metern gebracht und dann ausgeklinkt. Der Pilot der X-1 zündete daraufhin das Flüssigkeitsraketentriebwerk Reaction Motors XLR-11. Er war in ihrer spitzen Nase angeschnallt und konnte kaum nach draußen sehen. Im Notfall hatte er keine Möglichkeit aus der Maschine auszusteigen.
Yeagers Flug durch die Schallmauer
„Chuck“ Yeager blieb nach dem 2. Weltkrieg in der Air Force und wurde Testpilot. Er wurde neben weiteren Piloten ausgewählt, im Rahmen eines Forschungsprogramms die Bell X-1 zu fliegen. Yeager benannte dieses experimentelle Flugzeug nach seiner Ehefrau „Glamorous Glennis“.
Zwei Tage vor diesem Flug hatte er sich bei einem nächtlichen Ausritt mit seiner Frau zwei Rippen gebrochen. Er hatte beim Heimritt zu spät erkannt, dass ein Gatter geschlossen war. Aus Angst, nicht zum Flug zugelassen zu werden, ging er nicht in das Krankenhaus seines Stützpunktes, sondern zu einem Tierarzt in der Umgebung und erzählte nur seinem guten Freund Jack Ridley von den gebrochenen Rippen. Diese Verletzung machte es für Yeager unmöglich, die Luke der X-1 zu schließen, sodass ihm Ridley das Ende eines Besenstiels besorgte, das Yeager als Hebel zum Schließen der Luke verwenden konnte. Für den ersten offiziellen Überschallflug wurden ihm 1948 die MacKay Trophy, die Collier Trophy sowie 1954 die Harmon International Trophy verliehen. Die Bell X-1 befindet sich heute in der ständigen Ausstellung des National Air and Space Museums der Smithsonian Institution.
Bausatz und Bauprozess
Die Formen für Eduards X-1 im Maßstab 1/48 stammen aus dem Jahr 1997. Für mein Modell habe ich den ProfiPack verwendet, der 2016 aufgelegt wurde und auch eine kleine Fotoätzteilplatine enthält, die vor allem die Cockpitdetaillierung unterstützt. Weiters liegen Resinräder und ein Maskierbogen bei, der neben den Rädern vor allem die Maskierung der 19 Fenster der Cockpitverglasung deutlich beschleunigt.
Die Passgenauigkeit des relativ einfach gehaltenen Modells ist gut, es ist nur wenig Spachtelmasse und Schleifarbeit notwendig. Die Oberflächendetaillierung beschränkt sich auf Panellinien, Nieten sind nur wenige vorhanden. Das Cockpit wird durch die PE-Teile, wie Sitzgurte und dem farbig bedruckten Instrumentenbrett, deutlich aufgewertet. Weil auch die Originalmaschine keine Abdeckung des Instrumentenbretts hatte, würde man durch die Cockpitverglasung des Modells ins Leere sehen. Daher habe ich die Gehäuse der Anzeigen aus einem Rundprofil scratch gebaut und ein paar Kabel angebracht.
Ursprünglich wollte ich eine weiß/orange Version der X-1 bauen, die für einen Film so lackiert worden ist und die ich optisch reizvoller fand. Letztendlich habe ich mich aber doch für die rein orange Maschine entschieden, weil sie mit dem erstmaligen Durchbrechen der Schallmauer historisch doch wesentlich bedeutender ist.
Entgegen der Anleitung von Eduard, die Gunze H14 Orange vorschlägt, habe ich mich für Gunze H24 Gelb-Orange entschieden, weil mir die erstgenannte Farbe zu rötlich erschienen ist. Das Panelline-Washing mit AK 2073 viel deutlich zu intensiv aus, sodass ich das Modell nochmal mit H24 übernebelt habe. Die Decals ließen sich ohne jede Schwierigkeit anbringen und legten sich geschmeidig in die Vertiefungen.
Fazit
Aus meinem Bausatzvorrat gefischt habe ich die X-1 vor allem deswegen, weil wir eine kleine Gruppe von oberösterreichischen Modellbauern sind, die sich für dieses Jahr vorgenommen hat, zumindest ein Flugzeug zu realisieren, das der gute alte Chuck geflogen hat. Die Auswahl wäre riesig, hat er doch 208 verschiedenen Flugzeugtypen pilotiert. Mit der Bell X-1 steht nun ein auffallender oranger Meilenstein der Luftfahrtgeschichte in meiner Vitrine.
© Modell, Bilder und Text: Stefan Fraundorfer





