Schwerter zu Pflugscharen!
Modell: Douglas C-47 Dakota
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/72
Verwendeter Bausatz: Airfix (A09008)
Aus Kriegsgerät wirklich nützliches ziviles Gerät abzuleiten, ist ja ein Gedanke, der sicherlich nicht nur mir gefällt. Passenderweise stellt die hier im Modell gezeigte Douglas C-47A-30-DK mit der Werknummer 25515 ein schönes Beispiel dafür dar! Da passt es auch, dass sich mit dieser C-47 Dakota eine hochinteressante Geschichte verbindet, die sie zu einem der berühmtesten Flugzeuge der finnischen Nachkriegsjahre gemacht hat – so viel sie gleich zu Beginn verraten!

Die Maschine wurde im Jahr 1944 bei der Douglas Aircraft Company in Oklahoma City gebaut. Der Tag der Übernahme durch die USAAF ist bekannt: ab dem 29. Juli 1944 zählte sie zum Arsenal der US-Luftwaffe, die sie in Folge für den Einsatz in Europa vorbereitete. Dort angekommen, wurde sie vom European Air Transport Command für Nachschubflüge, der Verlegung von Verwundeten oder Kurierflüge eingesetzt. Unmittelbar nach Kriegsende wurde die Maschine dann offiziell der Verwaltung des Europe Wide Service Pool übergeben und zum großen US-Militärflugplatz und Wartungsdepot nach Oberpfaffenhofen in Bayern überführt – und nun wird es interessant!
Finnland war unmittelbar nach dem Krieg von der sowjetisch kontrollierten alliierten Überwachungskommission jede zivile Fliegerei untersagt worden. Allerdings sollten die Finnen bald Wege finden, die Wiederaufnahme der Passagierfliegerei zumindest vorzubereiten: eine Delegation der finnischen Regierung kaufte acht der ausgemusterten C-47 Dakota aus Oberpfaffenhoffen.
Da Finnland keine als Passagiermaschinen deklarierte Flugzeuge importieren durfte, wurden die Militärtransporter offiziell als „Frachtmaschinen“ deklariert und im staatlichen Flugzeugwerk in Halli mühsam und wohl auch halb im Geheimen zu zivilen DC-3 Passagierflugzeugen umgerüstet. Diese kleine Flotte an C-47/DC-3 bildete das neue, moderne Rückgrat der finnischen Fluglinie Aero O/Y, die in Folge in die Jahre gekommene Muster wie die Junkers Ju-52 ausmustern konnte.
Die seit 1946 verstaatlichte Fluglinie durfte ab 1947 auch wieder den von den Sowjets freigegebenen Flughafen Helsinki-Malmi nutzen, was zur Folge hatte, dass nicht mehr nur nationale Routen geflogen werden konnte, sondern auch der internationale Flugverkehr wieder möglich wurde. Im November 1947 eröffnete Aero O/Y mit ihren neuen DC-3 die prestigeträchtige Route Helsinki-Stockholm, wobei die schwedische Hauptstadt in dieser Zeit Finnlands wichtigstes Tor zur westlichen Welt war.
Kleines „fun fact“: vor dem Krieg hatten meist die Funker oder Copiloten den eher rudimentären Service an Bord übernommen. Mit dem Einflotten der DC-3 im Jahr 1947 stellte Aero aber erstmals offiziell Stewardessen ein. Die Damen mussten fließend mehrere Sprachen sprechen, eine Ausbildung im Service besitzen und den Passagieren den Komfort einer zeitgenössischen, modernen Airline vermitteln. Eine Ausbildung der Damen als Krankenschwestern war gerne gesehen: die Flüge damals verliefen oftmals, zumal in den umgebauten C-47 Dakotas, „turbulent“…
Mein Modell zeigt die Maschine im Aussehen jener frühen Jahre: bis auf das im finnischen Blau und Weiß der Aero O/Y gehaltene Seitenruder weist sie nur in Details Abweichungen vom USAAF- Standard „Olive Drab“ und „Neutral Grey“ auf. Die frische Codierung OH-LCF wurde auf die übermalten US-Hoheitszeichen gesetzt, auch die US-Seriennummer sowie die restlichen US-Kennungen waren unter einer Schicht frischen Lacks verschwunden. Hinzu gekommen ist der Namenszug „Kyytipoika“, was auf Finnisch „Beifahrer“ oder „Kutscher“ bedeutet. Als Modellbauer ist man für die für Abwechslung sorgende Herausforderung froh, über eine schon abgewitterte Oberfläche, frisch ausgebesserte Lackstellen darstellen zu können!
OH-LCF sollte allerdings nicht lange in dieser Nachkriegs-Lackierung bleiben. Über die Jahrzehnte wechselten sich die immer mehr verfeinerten Markierungen der Aero O/Y ab, was der Eleganz ihrer Erscheinung durchaus zugutegekommen ist.
Das wohl bekannteste Ereignis in der Geschichte der OH-LCF „Kyytipoika“ fand am 1. Februar 1951 statt. Nach dem Tod des finnischen Nationalhelden und Staatspräsidenten Carl Gustav Emil Mannerheim in der Schweiz wurde die OH-LCF im Trauerdekor nach Genf entsandt. Ihr kam die Ehre zu, den Sarg Mannerheims feierlich zurück nach Helsink zu überführen.
Im Zuge einer Flottenmodernisierung verkauft, stand die OH-LCF ab 1960 im Dienst der finnischen Luftwaffe. Fortan unter der militärischen Kennung DO-4 fliegend, wurde die Maschine wie ihre DC-3 Flugzeugschwestern für Transporte, Fallschirmspringerausbildung, das Schleppen von Zielen und für die interessante Aufgaben der Luftbildkartierung genutzt.
Nach über 20 Jahren im Militärdienst musterte man das Flugzeug schlussendlich im Mai 1982 offiziell aus und stiftete es als historisches Exponat. Heute kann die ehemalige OH-LCF komplett in ihren militärischen Farben als DO-4 restauriert im finnischen Luftfahrtmuseum Suomen Ilmavoimamuseo in Tikkakoski besichtigt werden.
Zu Bausatz und Bauprozess
Auf die Geschichte der OH-LCF/DO-4 bin ich über den Decalbogen No. ARC72-012B von Arctic Decals gestoßen. Dieser beschäftigt sich mit der Geschichte der DC-3 im Dienst der Aero O/Y und kann allen daran Interessierten wärmstens empfohlen werden. Die offerierten schmucken Versionen der verschiedenen Dakotas in den typischen Kombinationen von Naturmetall, Blau und Weiß der Fluglinie könnten die Auswahl schwer machen, haben mich allerdings nicht in große Entscheidungsnot gebracht. Für mich war von Anfang an klar, dass ich die attraktive Mischung aus verwitterten Oliv- und Grautönen mit den frischen Anstrichpartien und dem Weiß-blauem Heck, die an der frühen „Kyytipoika“ zu sehen war, verwirklichen wollte!
Dieses Projekt war auch mein Erstkontakt mit dem neuen Dakota-Bausatz von Airfix. Auch hier kann ich nur loben: meiner Meinung nach ein selten schöner und gut gemachter Bausatz, der mit hervorragend passgenauen Teilen und einem durchdachtem Formenaufbau punkten kann. Hier wird der Modellbauer auf das Beste unterhalten!
Als sehr angenehm empfand ich das Anbringen der Rumpffenster von den Außenseiten aus: das entspannt und sorgt für einen vorbildlich flachen Stitz der Fensterverglasungen auf den Rumpfflächen. Über die Notwendigkeit, die vordere Cockpitverglasungen nach dem Vereinen der beiden Rumpfhälften in die schmale Öffnung einfädeln zu müssen, kann man sicherlich geteilter Meinung sein, mir persönlich hat das jedoch keine Schwierigkeiten bereitet und auch für ein schönes Endresultat gesorgt.
Wenn ich mir nachträglich die Baufotos ansehe, kann ich eigentlich nur einen Kritikpunkt anbringen: die vertieften Panellinien sind airfixtypisch tatsächlich ziemlich ausgeprägt. Auch hiermit kann ich persönlich ganz gut leben, gerade auch, weil man mit ein paar Schleifgängen und Lackschichten das Thema auch schnell relativieren kann.
Nachdem die Formen aus einem Bausatzausgabe stammen, dem ein Willys-Jeep beigelegen hat, habe ich die Gelegenheit genutzt, auch hier das Prinzip „Schwerter zu Pflugscharen“ anzuwenden: aus dem kleinen grimmigen Militärfahrzeug ist ein fahrzeugtechnisches „Mädchen für alles“ geworden, wie sie auf allen Flugfeldern in irgendeiner Form anzutreffen sind. Der kleine gelbe Jeep mit seiner frei gestalteten Farbgebung wird auch in Zukunft immer wieder einmal – wie auf den Bildern hier – als Fotorequisit auftauchen.
Fazit
Summa summarum kann ich sagen, dass diese Kombination aus komfortablem und gut gemachtem Bausatz nebst ebensolchem Zubehör mit einer spannenden Geschichte des Originals sich zu einem recht unterhaltsamen und erkenntnisreichen Projekt entwickelt hat. Beim Thema DC-3/C-47 Dakota ist ab jetzt das Airfix Angebot meine Wahl – und wer weiß, vielleicht entstehen ja auch noch weitere finnische Aero O/Y Maschinen aus dem erwähnten hervorragenden Bogen von Arctic Decals!
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer





