Leichter als Luft
Modell: Zeppelin L 25
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/350
Verwendeter Bausatz: Takom (6002)
Es gibt Fluggeräte, die man erst wirklich begreift, wenn man vor ihnen steht — oder wenigstens versucht, ihre Abmessungen im Kopf nachzubauen. Ein Zeppelin gehört unbedingt dazu. Schon die nüchternen Zahlen des hier im Modell gezeigten Luftschiffs L 25 fordern die Vorstellungskraft: 163,5 Meter Länge, fast 19 Meter Durchmesser, rund 31.900 Kubikmeter Wasserstoff: ein schwebender Gigant also, größer als manches Schiff und doch im Kern aus Gerippe, Stoff, Draht und Gas gemacht.

Gerade darin liegt die eigentümlich widersprüchliche Faszination dieser Luftschiffe. Sie verkörpern einerseits einen der ältesten Menschheitsträume: zu fliegen und dabei ausdauernd über Landschaften zu gleiten, um den Himmel wenn schon nicht mit Geschwindigkeit, so doch mit Größe zu erobern. Im Ersten Weltkrieg wurde diese Faszination jedoch in ihr Gegenteil verkehrt. Aus dem Wunder des Fliegens „leichter als Luft“ wurde eine Waffe. Aus dem Staunen über technische Kühnheit ein Instrument des nächtlichen Bombenkriegs. Dabei zeigten sich Kriegs-Zeppeline alles andere als unverwundbar. Sie waren langsam, boten keinerlei Panzerung oder Schutz, waren in höchstem Maße wetterabhängig und trugen mit dem hochentzündlichen Traggas Wasserstoff die eigene Katastrophe buchstäblich in sich. Ihre Größe machte sie eindrucksvoll – zugleich aber auch zu einem kaum zu verfehlenden Ziel.
Die Bilanz fiel dementsprechend aus: während des Ersten Weltkriegs setzten das deutsche Heer und die Marine insgesamt an die 117 Starrluftschiffe ein, von denen wurden rund zwei Drittel zerstört oder gingen sonst wie verloren. Die Verlustrate der Luftschiff-Besatzungen lag bei etwa 40 Prozent und war damit die höchste aller deutschen Waffengattungen.
Ist es nicht eigentlich erstaunlich, dass diese unerhörten Maschinen im Modellbau so selten anzutreffen sind? Kaum ein anderes Vorbild vereint monumentale Erscheinung, technische Eigenart, historische Tragik und modellbauerische Herausforderung auf so faszinierende Weise, wie ein Zeppelin des Ersten Weltkriegs.
Zur Einsatzgeschichte des Zeppelins L 25
Beim Heer…
Seine Laufbahn begann L 25 noch unter einem anderen Namen: als LZ 88 wurde das Luftschiff zunächst vom deutschen Heer in Dienst gestellt. Als ein Luftschiff der P-Klasse war sie 163,5 Meter lang, hatte einen Rumpfdurchmesser von 18,7 Metern und wurde von 31.900 m³ Wasserstoff, das auf 16 Gaszellen verteilt war, getragen. Vier Maybach-Motoren mit je 210 PS arbeiteten in vom Rumpf abgestrakten Gondeln, um sie möglichst weit vom explosiven Traggas fern zu haben. Das Luftschiff bewegte sich mit einer maximalen Geschwindigkeit von 98 km/h, die Besatzung von P-Klasse Luftschiffen bestand aus 19 Mann.
Zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung, also Ende 1915, wollte man noch glauben, dass die von Starrluftschiffen erreichten großen Höhen ausreichend Sicherheit bieten könnten. Auch ihre Reichweite, ihre Tragfähigkeit und die Fähigkeit, stundenlang über weite Räume zu fahren, schienen dafür zu sprechen, diese Riesen taktisch über den Frontlinien wie strategisch zur Bombardierung des feindlichen Hinterlandes einsetzen zu können. Vor diesem Hintergrund absolvierte auch LZ 88 an die vierzehn Aufklärungsflüge sowie drei Angriffsfahrten auf Etappenorte im Hinterland der Westfront, bei denen insgesamt über 4.000 kg Bomben abgeworfen wurden. LZ 88 war auch bei Einsätzen zur Unterstützung der deutschen Truppen während der Schlacht um Verdun eingesetzt.
…und bei der Marine
Je länger der Krieg dauerte, desto deutlicher zeigte sich, dass Zeppeline zwar eindrucksvolle Maschinen, im Luftkrieg aber höchst verwundbar waren. Luftschiffe wurden daher ab 1916 vom Heer zunehmend an die Marine abgegeben, die ihre Ausdauer und unerhörte Reichweite für die Seeaufklärung nutzen wollte.
So wurde auch LZ 88 im Januar 1917 beim Heer ausgemustert und der Marine übergeben, sie erhielt nun die Kennung L 25. Damit begann eine zweite und, so darf man sagen, interessantere Karriere als Versuchsträger: die Marine nutzte L 25 für verschiedene Tests zur Entwicklung von Technik und Einsatzverfahren neuer Waffensysteme.
Darunter finden sich auch Versuche mit dem Siemens-Schuckert Gleittorpedo, einer Idee, die erstaunlich modern wirkt: ein Torpedo sollte vom Luftschiff abgeworfen werden, jedoch nicht einfach senkrecht fallen, sondern im Gleitflug gesteuert auf ein weit entferntes Seeziel zulaufen. Dazu wurde der Torpedo in ein kleines, mit Rumpf, Heckleitwerk und Tragflächen konventionell aufgebautes unbemanntes Flugzeug montiert, aus dem es sich kurz vor dem Ziel lösen sollte. Die Kurssteuerung erfolgte über ein kilometerlanges Funkkabel. Was auf dem Papier nach technischer Zukunft klang, war in der Praxis ein riskantes Spiel mit Gegensätzen: oben ein riesiges, langsames, mit explosivem Wasserstoff gefülltes Luftschiff; darunter eine neuartige Waffe, die Präzision, Stabilität und modernste Funktechnik zur Erprobung verlangte. Vielleicht ist gerade deshalb diese Episode für die Einordnung von Zeppelinen wie L 25 so aufschlussreich: das Luftschiff steht für jene Mischung aus Erfindergeist, Wagnis und gefährlicher Selbstüberschätzung, die viele technische Experimente des Ersten Weltkriegs kennzeichnet.
Zu Bausatz und Bauprozess
Zwei Herausforderungen halten die beiden erhältlichen Zeppelin-Bausätze des Herstellers Takom bereit: zum einen muss man mit äußerst feinen Strebenteilen umgehen, welche das komplexe Strebewerk von Gondel- und Antriebssektionen vom Rumpf weghalten, zum anderen kommt man nicht umhin, sich mit den Besonderheiten der Bemalung einer Luftschiff-Hülle auseinanderzusetzen. Es ist gar nicht so einfach, eine glaubhafte Umsetzung einer halb durchscheinenden und aus zahlreichen großen und kleinen Flicken zusammengesetzten Leinwandumhüllung darzustellen, wie ich selbst erfahren musste! Ist dies aber zur eigenen Zufriedenheit gelungen, ist die Freude um so größer.
Die beigelegten Baufotos werden diesen Punkt ganz gut erläutern können: man sieht, wie über mehrere Bemalungsstufen aus noch recht plump aussehenden ersten Farbaufträgen eine immer durchscheinender wirkende Oberfläche entsteht. Dabei wird wohl jeder eigene Versuche machen müssen, an deren Ende nur eines sichergestellt sein sollte: die eigene Zufriedenheit mit dem Ergebnis! Die Bauanleitung von Takom liefert dazu recht genaue Vorstellungen, wie das Äußere der jeweiligen Zeppeline aussehen sollte, ein Blick auf die in erstaunlicher Zahl noch greifbaren Originalfotos ist aber ebenfalls sehr und in aller Deutlichkeit empfohlen! Mir hat das bei der Gestaltung von L 25 wirklich geholfen.
Neben dem zeigen die Baufotos aber auch die angesprochenen filigranen Ätzteil-Streben. Diese habe ich allerdings nur zum Teil verwendet und den Großteil gegen stabilere Drahtstäbe mit geeignet geringem Durchmesser ausgetauscht, die ich, wenn möglich, in Bohrungen gesetzt habe. Dieses bietet mehr Stabilität, die filigranen Teile waren auch leichter zu verarbeiten. Gerade bei den abgestrebten Propeller-Gondeln haben mir die runden Drahtstreben auch besser als das flache Ätzteil-Material gefallen. Wunderbar verwendbar waren dagegen die filigranen Metall- und Kunststoffteile, welche die MG-Stellung auf der Oberseite des Bugs darstellen. Hier habe ich nur die noch fehlende umlaufende Reling ergänzt.
Zur Gänze selbst fertigen muss man die ausufernde Verspannung der vier Heckflossen und ihrer Ruder. Zu Zeiten der L 25 war man noch nicht in der Lage, diese großen Leit- und Steuerflächen wie bei den späteren imposanten „Friedenszeppelinen“ der 20er und 30er Jahre selbstragend zu machen, sodass sie verspannt werden mussten. Im Modell habe ich dies mit dehnbarem Rigging-Garn von „Uschi van der Rosten“ nachgestellt. Es lohnt, Pläne der nicht unkomplizierten Takelung genau anzusehen, bevor man ans Werk geht.
Fazit
Das Wagnis, einmal einen Ausflug in derart ungewohnte Modellbau-Landschaften wie der Gestaltung eines P-Klasse Zeppelins zu wagen, wird mit jeder Menge neuer Eindrücke und einem wirklich ungewöhnlichen und „großem“ (das Modell ist über 46 cm lang!) Stück für Vitrine und Ausstellungstisch belohnt. Für die Gelegenheit dazu war ich Takom so dankbar, dass ich gleich zwei Zeppeline gebaut habe. Ein Artikel zum zweiten Zeppelin wird also bald folgen.
Als Schlusssatz: für die Foto-Inszenierungen des Zeppelins habe ich, wie die beigelegten Bilder zeigen, einfachste Hilfsmittel verwendet. Nur bei der Verwirklichung meiner Vorstellung, das Luftschiff L 25 aus dem Cockpit eines Doppeldeckers zu zeigen, habe ich in die Photoshop-Trickkiste gegriffen: so einen Blick wollte ich unbedingt und schon lange mit einem Modell einmal verwirklichen!
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer





