1864: Die erste Versenkung eines
Kriegsschiffs durch ein U-Boot
Modell: CSS Hunley
Gebaut von: Roland Sachsenhofer
Maßstab: 1/72
Verwendeter Bausatz: 3D-Wild (WS0111)
Gibt es ein Schiff, dem man nur mit technischen Daten gerecht werden kann? Wohl kaum. Schiffe sind mehr als Konstruktionen aus Holz, Eisen oder Stahl, mehr als Rumpf, Antrieb und Bewaffnung. Seit jeher begegnen Menschen ihnen fast wie eigenständigen Wesen: Sie erhalten Namen, Geschichten und einen Charakter. Man spricht von Glücks- oder Unglücksschiffen und ihrem Schicksal. Ein Schiff ist Arbeitsplatz, Schutzraum und Risiko zugleich – und damit ein Ort, an dem sich menschliche Erfahrung besonders deutlich verdichtet. Auf wenige Fahrzeuge scheinen mir die Worte dieser pathetischen Einleitung so zu zutreffen, wie auf die hier im Modell gezeigte Hunley!

Ein „eiserner Sarg“, von Anfang an…
Dieses kleine, handbetriebene Unterseeboot, das auf Seiten der Konföderierten Staaten im amerikanischen Bürgerkrieg zum Einsatz gekommen ist, war kaum mehr als ein eiserner Zylinder für acht Männer, trotzdem sollte sie in die Geschichte als das erste U-Boot eingehen, dem die Versenkung eines feindlichen Kriegsschiffs gelang.
Gefährlich war die Hunley jedoch nicht nur für den Gegner, sondern auch und vor allem für seine eigene Mannschaft. Unglaublich, aber wahr: noch vor ihrer letzten Fahrt war die Hunley schon zweimal gesunken! Im August 1863 kamen bei einer Probefahrt fünf Männer ums Leben, als der Kommandant bei offenen Luken unbeabsichtigt das Tiefenruder betätigt hatte. Im Oktober desselben Jahres sank sie erneut mit allen acht Mann an Bord, darunter auch ihr Erfinder und Namensgeber Horace L. Hunley selbst. Dennoch wurde das Boot jedes Mal gehoben, instand gesetzt und erneut verwendet. Nach der zweiten Bergung übernahm Leutnant George Dixon das Kommando. Seine neu formierte Crew trainierte ab Mitte Dezember 1863 intensiv. Die Namen der letzten Besatzung sind bekannt. Die acht Männer der Hunley waren:
Lt. George E. Dixon, der Kommandant; Arnold Becker, J. F. Carlsen, Frank Collins, C. Lumpkin, Augustus Miller, Joseph Ridgaway und James A. Wicks
Leutnant George E. Dixon muss nicht nur ein ausgesprochen einsatzfreudiger Mensch gewesen sein, sondern war auch ein Mann mit Erfahrung, Mut und einer fast persönlichen Bindung an dieses gefährliche Fahrzeug. Zwei Jahre zuvor soll ihm in der Schlacht von Shiloh eine 20-Dollar-Goldmünze das Leben gerettet haben, als sie eine Kugel aufhielt. Diese Münze, die später im Wrack der Hunley bei Dixons Überresten gefunden wurde, trug die Inschrift: „Shiloh April 6th 1862 – My life Preserver – G. E. D.“ Sie macht Dixon zur menschlich greifbarsten Figur in der Geschichte der Hunley.
Bis auf den Kommandanten hatten alle Männer der Besatzung eine einzige Aufgabe: eingepfercht in die Stahlhülle und in gebückter Haltung auf einem Holzbrett hockend, hielten sie die vor ihnen befindliche Kurbelwelle, die mit einem einfachen Getriebe auf den Propeller wirkte, in Bewegung. Man kann nur versuchen, sich die klaustrophobische Atmosphäre, die in der Hülle herrschte, vorzustellen. Trübes, flackerndes Licht, Sauerstoffarmut, Gestank und Desorientierung müssen wahrhaft höllische Bedingungen erzeugt haben. Den Kurs- wie die Tauchtiefe kontrollierte der an der bugseitigen Luke hockende Kommandant, der auch als einziger Sichtkontakt nach außen hatte. Das Sinken und Steigen des Tauchbootes wurden durch das händische Öffnen sowie Auspumpen der beiden Ballasttanks assistiert. Die Bewaffnung der Hunley bestand aus einer 60 Kilo-Pulverladung, die an einer fünf Meter langen Stange vor dem Bug des Tauchbootes befestigt war. Dieser „Spierentorpedo“ musste mit Wucht in die Rumpfseite des Gegners gerammt werden, worauf die Sprengladung detonieren sollte.
Die gesamte aktive Lebensdauer der Hunley – von ihrem ersten Stapellauf bis zum finalen Untergang – betrug nur rund sieben Monate (Juli 1863 bis Februar 1864). Die reinen Einsatzfahrten auf offenem Meer beschränkten sich wegen des schlechten Wetters und der zwei katastrophalen Unfälle auf wenige Wochen.
Erfolg und Untergang
Bis zu Beginn des Jahres 1864 betrachtete man die Erprobung soweit als abgeschlossen, dass an das Wagnis erster scharfer Einsätze gegen die vor der Hafeneinfahrt von Charleston patrouillierenden Blockadeflotte der Nordstaaten-„Yankee“ Marine zu denken war. Die Besatzung der Hunley fuhr zwischen Mitte Dezember und Ende Januar im Schnitt in vier Nächten pro Woche Einsätze. Bei diesen heimlichen Fahrten schlichen sie sich nah an die feindlichen Schiffe heran, um die Lage zu sondieren. In der Nacht des 17. Februars 1864 brach Dixons Crew schließlich zu ihrer letzten Fahrt auf, die Erfolg und Desaster verbinden sollte: die Hunley rammte ihr Spierentorpedo in die Flanke des Nordstaaten-Blockadeschiffs USS Housatonic. Die Explosion versenkte das Kriegsschiff innerhalb weniger Minuten. Die siegreiche Hunley setzte noch das für den Erfolgsfall vereinbarte Lichtsignal ab, kehrte aber nie zum Stützpunkt zurück. Für die folgenden 130 Jahre blieb Ihr Verschwinden ein viel diskutiertes Rätsel.
Wiederentdeckung und Hebung der Hunley
Das ungeklärte Verschwinden der Hunley beschäftigte die Menschen über die Jahre und sorgte dafür, dass Schiff und Besatzung nicht vergessen wurden. Unzählige Suchexpeditionen versuchten über Jahrzehnte die Hunley zu finden – und scheiterten.
Erst im Jahr 1995 wurde das Wrack nach langer Suche durch ein Team um den bekannten Abenteurer, Autor und Unternehmer Clive Cussler lokalisiert. Im Jahr 2000 folgte dann die spektakuläre Bergung des unversehrten Rumpfes aus dem Meeresboden. Oft wird kolportiert, die Skelette der Besatzung wären auf ihren Posten sitzend gefunden worden, ohne Anzeichen von Panik oder Fluchtversuchen. In Wahrheit waren die menschlichen Überreste nach 130 Jahren auf dem Meeresgrund auf den Boden des Eisenrumpfes gesunken und dick in Sediment und Rost eingewachsen. Eine sorgfältige Analyse ihrer Anordnung und ihres Zustand lässt aber tatsächlich die Aussage zu: alle acht Mann waren in ihren letzten Augenblicken auf ihren Stationen. Für sie hatten sich die eingangs vorgestellten Worte vom Schiff als Schicksalsort erfüllt.
Heute wird die originale Hunley aufwendig in einem Spezialtank im Warren Lasch Conservation Center in North Charleston, South Carolina konserviert und kann dort besichtigt werden. Eine Suchanfrage im www nach der „CSS Hunley“ leitet Interessierte zu gut gemachten und natürlich sehenswerten Seiten der an der Restauration des Schiffes beteiligten Institutionen – einen Blick darauf kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen!
Zu Bausatz und Bauprozess
Die Teile zu dieser Hunley in 1/72 stammen vom US-Hersteller 3D-Wild. Für ein erstes Staunen sorgte schon deren „Verpackung“ in ein üppiges Geflecht von Gitterstützen! Wie ich nun schon von ein paar vorangegangenen 3D-Bausätzen gelernt habe, ist das sorgsame und ungehetzte Heraustrennen der Bauteile aus diesem Geflecht von Stützelementen ein erster wichtiger Schritt zum Erfolg. Einmal freigelegt – das dauert hier seine Zeit! – ist dann auch nicht mehr viel aufzubauen: wenn ich mich richtig erinnere, besteht die Hunley im Wesentlichen aus drei großen Stücken, eine Handvoll Kleinteile kommt dazu. „Groß“ relativiert sich hier allerdings angesichts des Maßstabs: die 72mal verkleinerte Hunley ist gerade einmal handflächenlang, siehe die Bilder mit den Münzen!
Verblüffend ist die Passgenauigkeit. Auch hier haben mich bisherige 3D-Modelle schon gelehrt: gedruckte Teile erreichen eine Präzision, die im Spritzguss kaum zu erwarten ist. Also: kein Schleifen, kein Spachteln, kein Zumessen – sondern pure Pass-Freude!
Die Energien des Modellbauers bleiben somit für die Farbgebung frei, was auch gelegen kommt: man sollte sich hier die Zeit, die es braucht, nehmen, um das Aussehen von (in Partien ziemlich) rostigem Stahl nach eigenen Vorstellungen bestmöglich umgesetzt zu bekommen. In meinem Fall habe ich das mit Alclad II Metallfarben und Pastellkreiden gemacht. Die glaubhaftesten Quellen geben an, dass das Innere der Hunley in hellen Farbtönen/Weiß gefasst war. Dementsprechend zeigt auch meine Interpretation einen weißen Innenraum.
Die Figuren für die kleine Szenerie der Foto-Inszenierung stammen von EMP3d, auch diese 3D- Produkte haben mich mit ihrer Kleinheit und Feinheit begeistert.
© Modell, Bilder und Text: Roland Sachsenhofer




